Rheinische Post: Kommentar: Uneinsüber die Hymne

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Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow
hat wohl geahnt, welches Echo er mit seiner Kritik an der deutschen
Nationalhymne auslösen wird. Der Wunsch nach einer gemeinsamen Hymne
von Ost und West wird “nur für empörte Aufmerksamkeit sorgen”, sagte
er unserer Redaktion. Er sollte recht behalten. Obwohl die Deutschen
noch immer zurückhaltend beim Bekunden nationaler Gefühle sind,
nehmen sie leidenschaftlich an der Debatte teil, ob die jetzige Hymne
die richtige für das vereinigte Deutschland sei. Da viele in
Ostdeutschland sich mit der Fallersleben-Hymne schwertun, wirft
Ramelow zu Recht Fragen auf. Und man muss sagen, Brechts Kinderhymne
wäre ein würdiger Text für ein gemeinsames Lied der Deutschen. Was
Ramelow unterschlägt, ist die geschichtliche Dimension. Ursprünglich
als Freiheitslied komponiert, wurde die Hymne von den Nazis
missbraucht. Aber sie steht auch für die Rückkehr der Demokratie,
nicht zuletzt für die Einheit. Während der WM 2006 war sie Ausdruck
der Freiheit. Wir sollten an ihr festhalten.

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