Rheinische Post: Unser Tröglitz

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Tröglitz ist ziemlich weit weg, irgendwo hinten
in Sachsen-Anhalt. Knapp 3000 Menschen leben dort. In Tröglitz ziehen
sonntags NPD-Mitglieder durch den Ort aus Protest gegen die geplante
Unterbringung von 40 Flüchtlingen. In Tröglitz ist der Bürgermeister
zurückgetreten, da er wegen des Mobs um die Sicherheit seiner Familie
fürchtete. In Tröglitz brannte jetzt der Dachstuhl jenes Hauses, das
für die Flüchtlinge vorgesehen war. In Tröglitz wurde nach diesem
Anschlag zudem der Landrat bedroht – mit Enthauptung. Politiker
fordern jetzt Entschlossenheit, Verbände mehr Geld für den Kampf
gegen Rechts und die Kirchen mehr Courage der Zivilgesellschaft.
Unsere Reflexe funktionieren also noch. Allerdings bleiben Fragen:
Was unsere tadellose Haltung bisher gebracht hat? Wann Rechtsextreme
endlich Nazis genannt werden und Attentate auch Pogrome? In Tröglitz
reißt nicht nur eine bis dahin schweigende Minderheit plötzlich ihr
Maul auf. Tröglitz ist vielmehr eine Fortsetzung unserer Geschichte.
Darum ist Tröglitz gar nicht weit weg. Dieses Tröglitz ist auch unser
Tröglitz.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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