ROG: Journalistenmorde in Kolumbien dürfen nicht straffrei bleiben

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Reporter ohne Grenzen fordert die kolumbianische
Regierung dazu auf, mit Nachdruck gegen die anhaltende Bedrohung von
Journalisten vorzugehen. In der Innenstadt von Bogotá kommen am
heutigen Donnerstag Bürger und Politiker wie Präsident Santos zu
einem Marsch zusammen, mit dem sie auch die aktuellen Entwicklungen
im Friedensprozess würdigen. (http://bit.ly/1PmBIKg) Gleichzeitig
müssen kritische Journalisten in dem südamerikanischen Land jedoch
noch immer mit massiven Bedrohungen oder gar mit Mord rechnen.

„Die kolumbianische Regierung muss kritische Journalisten im Land
viel entschiedener schützen“, sagt ROG-Geschäftsführer Christian
Mihr in Berlin. „Trotz der Friedensverhandlungen zählt Kolumbien nach
wie vor zu einem der gefährlichsten Länder Amerikas für Journalisten
und die meisten Verbrechen an Journalisten bleiben straffrei.“

IN DIESEM JAHR BEREITS ZWEI GETÖTETE JOURNALISTEN In diesem Jahr
wurden bereits zwei Journalisten aufgrund ihrer Arbeit getötet: Am 2.
Februar erschossen Unbekannte den Radiojournalisten Edgar Quintero in
der Nähe seines Senders Radio Luna in der Stadt Palmira in der
Provinz Valle del Cauca. Dem Mord vorausgegangen waren jahrelange
Drohungen gegen den kritischen Journalisten. Am 14. Februar wurde
Luis Peralta, der Gründer des unabhängigen Radiosenders Linda Stéreo
in der Stadt El Doncello in der Provinz Caquéta ermordet. Peralta
hatte bei Linda Stéreo wiederholt über Themen wie Korruption
berichtet und war mehrfach Angriffen und Bedrohungen ausgesetzt
gewesen. (http://bit.ly/1Cs5jrO) Gerade Mitarbeiter
nichtkommerzieller Radiosender werden in Kolumbien häufig
angefeindet. Seit dem Jahr 2000 wurden mindestens 58 Journalisten
aufgrund ihrer journalistischen Arbeit ermordet.
(http://bit.ly/145PpJz)

Wer unliebsame Informationen über mächtige Lokalpolitiker
veröffentlicht, muss mit Drohungen und Gewalt rechnen. Gefährlich
sind auch Themen wie Landkonflikte, Korruption, der jahrelange
Bürgerkrieg oder die Drogenkriminalität. Am 14. März dieses Jahres
erhielt die Zeitungsreporterin Ana Cristina Restrepo Jiménez nach
Interviews in einem von Drogenbanden kontrollierten Teil von Medellín
einen Telefonanruf, in dem ein Unbekannter sie dazu aufforderte, das
Viertel künftig zu meiden, ansonsten werde man sie und ihre
Kontaktpersonen in dem Stadtviertel töten. Restrepo schreibt für die
Tageszeitungen El Colombiano aus Medellín und El Espectador aus
Bogotá und recherchiert seit Monaten für ein Buch über Kolumbiens
Drogenkartelle, das auch die Banden in Medellín thematisierten soll.
(http://bit.ly/1aoEzBT)

PARAMILITÄRISCHE GRUPPEN BRINGEN TODESLISTEN IN UMLAUF
Paramilitärische Gruppen wie Los Urabeños oder Aguilas Negras haben
Journalisten wiederholt zu „militärischen Zielen“ erklärt. Im
Dezember vergangenen Jahres veröffentlichte Aguilas Negras sogenannte
schwarze Listen mit den Namen von 14 Journalisten und 12
Medienorganisationen. Die Bande drohte den Genannten, sie gewaltsam
zum Schweigen zu bringen, sollten sie bis zu einer festgesetzten
Frist nicht den Ort, an dem sie arbeiteten, verlassen. Bei den
Bedrohten handelte es sich um kritische Journalisten und unabhängige
Medien, die regelmäßig über Themen wie die Friedensverhandlungen,
Korruption oder Menschenrechtsverbrechen berichteten.
(http://bit.ly/1CyE1jc)

Bereits im September wurden acht Journalisten in den Städten Cali
und Buenaventura von Mitgliedern der Gruppe Los Urabeños mit einer
Todesliste bedroht und unter Druck gesetzt, ihren Wohnort zu
verlassen. Betroffen waren etwa Darío Gómez von Radio Caracol, Julio
Cesar Bonilla vom örtlichen Fernsehsender Voces del Pacífico und
Henry Ramírez von Noticias Uno. Los Urabeños beschuldigte die
Journalisten, über die Verhaftung eines ihrer Mitglieder „falsche
Informationen“ in Umlauf gebracht zu haben. (http://bit.ly/1yVUsWs)
Reporter ohne Grenzen zählt Los Urabeños zu den Feinden der
Pressefreiheit.

BEHÖRDEN SCHLIESSEN JOURNALISITISCHE ARBEIT ALS MOTIV VORSCHNELL
AUS In vielen Fällen von Mord, Gewalt oder Bedrohung schließen die
Behörden bei ihren Ermittlungen die journalistische Arbeit der Opfer
als Motiv allzu schnell aus. Nur selten zieht die Justiz die
Verantwortlichen zur Rechenschaft. Zahlreiche länger zurückliegende
Morde könnten dauerhaft ungestraft bleiben, weil vor dem Jahr 2000
begangene Taten in der Regel nach 20 Jahren verjähren.

Aus Angst um ihr Leben fliehen Journalisten immer wieder in andere
Landesteile oder gehen direkt ins Exil. Nachdem im September 2014
zwei Schüsse auf ihre Wohnung in Barrancas abgegeben wurden,
flüchtete sich etwa die Radio Noticias Uno-Korrespondentin Amalfi
Rosales in die Provinz La Guajira. (http://bit.ly/1uFP0pf) Nach
Todesdrohungen von Aguilas Negras musste sich auch der Fotograf und
Menschenrechtsverteidiger Juan Pablo Gutiérrez im August vergangenen
Jahres vorübergehend verstecken. Die Gruppe hatte gar gefordert, er
solle Kolumbien verlassen. (http://bit.ly/1aMw1Wk)

Am 9. Februar, dem „Tag des Journalisten“ in Kolumbien, fragte
Reporter ohne Grenzen kolumbianische Journalisten nach ihrem größten
Wunsch. Die einhellige Antwort lautete: Sicherheit und ein Ende der
Straflosigkeit bei Verbrechen gegen Journalisten.
(http://bit.ly/1GNPAJt)

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Kolumbien auf Rang 128
von 180 Staaten.

Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Silke Ballweg / Christoph Dreyer
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de
T: +49 (0)30 609 895 33-55
F: +49 (0)30 202 15 10-29

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