Die Leistungen der 15-jährigen Schüler*innen in Deutschland sind in der PISA-Studie erneut gesunken und liegen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung vor 25 Jahren. Gleichzeitig zeigt sich: Chancengerechtigkeit bleibt eine der zentralen Herausforderungen. Die aktuellen Ergebnisse kommentiert Marion Zirngibl, Expertin für Bildung bei Save the Children Deutschland:
„Die aktuellen PISA-Ergebnisse überraschen mich nicht. Sie bestätigen erneut, dass das deutsche Bildungssystem einem großen Teil der Kinder Zukunftschancen verwehrt. Besonders alarmierend ist, dass der Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Herkunft und Bildungserfolg so stark wie nie zuvor ist. Hinter diesen Zahlen stehen unzählige Kinder, für die Schule kein Ort des Lernens und positiver Bildungserfahrungen ist. Aus kinderrechtlicher Perspektive ist das eine Katastrophe.
Seit Jahrzehnten zeigen Studien, dass Bildungserfolg in Deutschland stark von der sozioökonomischen Herkunft eines Kindes abhängt. Dennoch gelingt es im deutschen Bildungssystem bis heute nicht, dass jedem Kind die gleichen Bildungschancen eröffnet werden. Dabei ist es die Aufgabe einer gerechten Bildungspolitik, die unterschiedlichen Voraussetzungen auszugleichen. Wir brauchen endlich ein Schulsystem, das die Kinderrechte ins Zentrum stellt. Dafür müssen Schulen die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Kindern stärker berücksichtigen, ihnen die benötigte Unterstützung bieten und die Kinder mit ihren individuellen Potenzialen ernst nehmen. Schule muss mehr werden als ein Ort der Lehrpläne und des Unterrichts, sie muss sich zu einem Lebensort für Kinder entwickeln, an dem ernst gemeinte Partizipation stattfindet. Das gibt Kindern eine echte Chance, ihre Zukunft zu gestalten.
Mit unseren Bildungsprojekten erleben wir bei Save the Children, wie wichtig es ist, Kindern Räume zum Mitgestalten, Ausprobieren und Lernen zu ermöglichen. Auf diese Weise können Kinder mehr Selbstvertrauen gewinnen und zukunftsrelevante Fähigkeiten wie Kreativität, digitale Skills und Lesekompetenzen entwickeln. Es darf niemals darum gehen, wie Kinder in das Bildungssystem passen. Es muss darum gehen, wie Schule gestaltet werden kann, damit alle Kinder sich bestmöglich entfalten können. Dazu beitragen würden ein längeres gemeinsames Lernen, mehr individuelle Förderung und eine Bildungspolitik, die sich nach den Bedürfnissen von Kindern ausrichtet.“
Hinweise an die Redaktion über Bildungsprojekte von Save the Children Deutschland:
– MakerLabs: Mit dem Projektwerden Schulen in Sozialräumen mit hohen Kinderarmutszahlen dabei unterstützt, Räume mit digitalen Tools auszustatten. Bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche werden dadurch in ihrem Recht auf digitale Bildung und Teilhabe gestärkt. Durch den kreativen Einsatz digitaler Tools entwickeln sie digitale Kompetenzen und Selbstwirksamkeit.
– LeseKitasund LeseOasen: Die Projekte stärken die Lesekompetenz von Kindern, die bislang wenig Zugang zu Büchern und Geschichten haben und fördern damit ihre Bildungs- und Teilhabechancen.
– Mit Spiel zum Ziel: Das Projekt fördert körperliche, soziale, emotionale, kognitive und kreative Kompetenzen von Kindern in Stadtteilen mit hoher Armut durch spielerisches Lernen in der Schule, im Sozialraum und zu Hause.
Über Save the Children
Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 100 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können – seit über 100 Jahren.
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