WAZ: Fluchtgefahr aus neuer Perspektive – Kommentar von Stefan Wette zu Middelhoff

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Dass Juristen ihre Meinung ändern können, ist
bekannt. In welchem Ausmaß das Landgericht Essen aber seine Haltung
zur Fluchtgefahr von Thomas Middelhoff geändert hat, verlangt der
Öffentlichkeit viel ab. Jetzt heißt es, dass es doch keine Gleichheit
vor dem Recht gibt und Reiche sich freikaufen können. Manch einer
redet auch von einem „Geschmäckle“.

Aber genau diese Strafkammer hatte den Ex-Manager ja verhaftet und
sich in anderen Fällen von öffentlichen Kampagnen unbeeindruckt
gezeigt. Vier Tage hatten die Richter jetzt nachgedacht. Leicht fiel
ihnen die Entscheidung aus neuer Perspektive nicht. Offenbar
veranlasste sie dann die schwere Hauterkrankung, Middelhoff
freizulassen. Das Risiko der Flucht tragen sie.

Den Verteidigern mit ihrer Kampagne „Schlafentzug“ ist Middelhoffs
Freiheit nicht zu verdanken. Was sie der Justiz vorwarfen, ist – gut
dokumentiert – zurückgewiesen worden. „Folter“, „Guantánamo“ waren
die falschen Worte. Bedenklich, dass einige Politiker so schnell und
ohne Prüfung die Vorwürfe der Verteidigung übernahmen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
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