Weser-Kurier: Kommentar von Moritz Döbler über Emmanuel Macron und Horst Seehofer

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Als Horst Seehofer in die CSU eintrat, war Emmanuel
Macron noch nicht einmal geboren. Nun ist Jugend allein noch kein
Vorzug. Aber dennoch, was für ein Kontrast. In Frankreich schickt
sich ein 39-Jähriger an, Präsident zu werden. Er kommt nicht aus
einem Parteiapparat, hat jede Menge Ideen und viel Charisma. Und in
Deutschland kündigt ein 67-Jähriger an, dass er sich nun doch
absehbar nicht aus der Politik zurückziehen will.

Auch in Deutschland steht eine Richtungswahl an. Doch so
unverbraucht wie Emmanuel Macron sind Angela Merkel und Martin Schulz
beide nicht. Die Bundeskanzlerin bekleidet ihr Amt seit fast zwölf
Jahren, und ihr Herausforderer von der SPD hatte zwei Jahrzehnte lang
einen Sitz im Europaparlament.

Nun muss Erfahrung kein Nachteil sein, und doch macht das
politische System in Deutschland einen so schwerfälligen, müden
Eindruck. Die etablierten Parteien hierzulande können von Glück
sagen, dass sich mit der AfD wieder einmal eine Partei am rechten
Rand selbst zerlegt – einer Marine Le Pen kämen sie wohl so leicht
nicht bei.

Dabei hat auch Deutschland Momente, in denen Politik frisch und
spannend erscheint. Als Karl-Theodor zu Guttenberg einst in
Rekordzeit von Amt zu Amt eilte, staunte das Wahlvolk, und noch heute
wünscht sich mancher in Bayern die gestürzte Lichtgestalt zurück. Und
auch Martin Schulz kam ja in gewisser Weise von außen und setzte sich
wohl auch deswegen zunächst an die Spitze der Popularitätswerte.

Es war nur ein Strohfeuer. Die Menschen in Deutschland scheinen
sich zwar nach unverbrauchten Persönlichkeiten zu sehnen, aber
zugleich haben sie nur ganz wenig Geduld mit ihnen. Das begünstigt
Berufspolitiker, und es bringt Langeweile – man könnte auch sagen:
Solidität – hervor. So aufregend wie in Frankreich wird Politik in
Deutschland wohl nie sein. Wahrscheinlich zieht Horst Seehofer in der
CSU noch die Strippen, wenn Emmanuel Macron schon längst abgewählt
wurde.

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