Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Nord Stream 2

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Zu lange hat die Bundesregierung in Nord Stream
2 ein rein wirtschaftliches Projekt zwischen Deutschland und Russland
gesehen. Über politische Bedenken der Bündnispartner in Europa und
den USA ist man hinweggegangen – aus Eigeninteresse. Und dieser
nationale Energie-Egoismus nimmt nach dem beschlossenen Kohleausstieg
analog zum Gasbedarf zu. Seit Fukushima geht Deutschland
energiepolitisch einen Sonderweg: Dem Ausstieg aus der Atomkraft
folgt das Ende der Kohle, und diese Energiewende hin zu Wind und
Sonne kann nur mit mehr Gas abgesichert werden. Nun ist es nicht so,
dass Russland der einzige Lieferant wäre. Knapp die Hälfte der
Gasimporte kommen von dort, den Rest liefern die Niederlande und
Norwegen. Die Abhängigkeit ist gegenseitig: Deutschland braucht das
Gas, und Russland braucht das Geld. Auch deswegen betrachtet man
sich als verlässliche Partner. Doch die Argumentation der USA lässt
sich nicht widerlegen: Warum sollte Amerika Europa vor Russland
beschützen, wenn die Russen mit deutschem Geld ihr Militär aufrüsten
und sich davon Polen und Balten bedroht sehen?

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Scholz Stephan
Telefon: 0521 585-261
st_scholz@westfalen-blatt.de

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