Wütende „Systemsprenger“: ZDF-„37°“-Reportage porträtiert traumatisierte Kinder (FOTO)

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„Systemsprenger“ bringen mit ihrer Aggressivität alle an die Grenzen. Doch die Not dieser traumatisierten Kinder wird oft nicht erkannt. Die „37°“-Reportage „Die Wütenden – Wenn Kinder das System sprengen“ gibt am Dienstag, 18. Mai 2021, 22.15 Uhr im ZDF, Einblick in das Leben von Luna (18) und Lennard (12). Sie wurden aus ihren überforderten Familien genommen und haben die typische Abstiegsspirale verhaltensauffälliger Kinder durchlaufen – eine Odyssee durch die Instanzen der Jugendhilfe. Die beiden Autorinnen Anabel Münstermann und Valerie Henschel haben Luna und Lennard ein halbes Jahr lang begleitet und geben einen Einblick in die Seelen von Kindern, die sich nirgends angenommen fühlen. Die „37°“-Sendung steht am Sendetag ab 14.00 Uhr in der ZDFmediathek zur Verfügung.

Bis zu ihrem 14. Lebensjahr lief alles ganz gut. Vielleicht ein bisschen chaotisch, weil ihre Mutter alleinerziehend war und Luna als älteste Tochter viel Verantwortung für ihre kleineren Geschwister übernehmen musste. Aber das Leben auf dem Land in ihrem großen Haus mit ihren Tieren gefiel ihr: „Das Haus war meine Festung, hier konnte ich Spaß haben, traurig sein und mich beschützt fühlen.“ Doch dann brennt ihr Elternhaus ab, und die Familie bekommt eine Zweizimmerwohnung zugewiesen. Hier geht es vornehmlich um die Not der Kleinen, ihre eigenen Ängste stellt Luna hinten an. In dieser Ausnahmesituation tauchen verdrängte Erinnerungen an den Vater auf, den sie als aggressiv empfunden hat. Luna reagiert mit Wut und Aggression. Als sie Türen zerschlägt und auf die Geschwister losgeht, ruft ihre Mutter die Polizei. „Im Polizeiwagen dachte ich nur: Das war–s, jetzt hast du keine Familie mehr. Und ich wusste, dass ich selbst schuld war“, sagt Luna. Von da an geht es abwärts. Sie fliegt von der Schule und aus dem Heim, kommt in eine neue Einrichtung und muss auch diese wieder verlassen. Eine Maßnahme folgt auf die nächste. Immer wieder heißt es, Luna sei nicht tragbar, eine Gefahr für die Gemeinschaft. Als letzte Chance bekommt sie eine eigene kleine Wohnung und einen Betreuer, der es gut mit ihr meint. Mittlerweile ist sie ruhiger und ausgeglichener, bis ein Brief vom Gericht kommt.

Lennard (12) würde am liebsten den ganzen Tag mit dem Hund aus der Nachbarschaft spielen. „Wenn ich traurig bin, weil ich nicht bei meiner Mama sein kann, tröstet mich der Hund.“ Nicht bei seiner Mutter sein zu können, ist das Gefühl, das Lennard seit seinem dritten Lebensjahr begleitet und das ihn manchmal an seine Grenzen bringt – zum Ausrasten, wie er das nennt. Nach traumatischen Kindheitserlebnissen wurde Lennard von seiner damals noch sehr jungen Mutter getrennt und seitdem durch die Instanzen des Jugendhilfesystems gereicht. Mit sieben Jahren hatte er bereits in zwölf verschiedenen Familien und Einrichtungen gelebt, weil für ihn und seine Wut nirgendwo dauerhaft Platz war. In seiner dreizehnten Station, einer betreuten Jungen-WG im Harz, würde er gern bleiben. Die Ausraster sind selten geworden, und einmal im Monat darf er seine Mutter und seine kleine Schwester besuchen. Ein Stück Normalität, die sich Lennard schon so viele Jahre wünscht.

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