Der Schutz von Geflüchteten und Notleidenden wird zunehmend ausgehöhlt. Kürzungen bei der humanitären Hilfe verstärken die Tendenz. „Jeder dritte Euro für humanitäre Hilfe wurde weltweit in den vergangenen zwei Jahren gestrichen“, kritisiert Dagmar Pruin, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe. „Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich darin, wie sie diejenigen schützt, die im Krieg alles verloren haben. Diese Verantwortung nimmt die Diakonie Katastrophenhilfe an -und das erwarten wir auch von der Bundesregierung.“ Eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt eine breite Unterstützung für humanitäre Hilfe. Die Spenden an das evangelische Hilfswerk ermöglichten Hilfe in 42 Krisen- und Kriegsländern.
Zum 75. Jubiläum der Genfer Flüchtlingskonventionen am 28. Juli warnt die Diakonie Katastrophenhilfe davor, den internationalen Flüchtlingsschutz weiter auszuhöhlen. Weltweit gelten fast 118 Millionen Menschen als Vertriebene. „Viele stehen vor der Wahl, ein Leben in Flüchtlingscamps unter immer schlechteren Bedingungen zu führen oder in lebensgefährliche Kriegsgebiete zurückzukehren. Das ist keine echte, keine freie Entscheidung. Es verletzt die Grundprinzipien des internationalen Flüchtlingsschutzes“, betonte Pruin. Dies betreffe beispielsweise Menschen aus dem Sudan, die im Tschad Zuflucht suchen, oder afghanische Geflüchtete, von denen mehr als eine Million 2025 Pakistan verlassen mussten. Mädchen dürfen in ihrer afghanischen Heimat nicht zur Schule gehen und Frauen sich nicht frei bewegen.
In der Ukraine und Russland kommen zunehmend Drohnenschwärme zum Einsatz. Im Sudan, im Nahen Osten und in vielen anderen Regionen treffen Raketen und Drohnen Wohngebiete, Krankenhäuser, Schulen und selbst humanitäre Helfer*innen. 2025 wurden laut UN weltweit 326 humanitäre Helferinnen und Helfer getötet. „Ich habe in Gaza und der Ukraine erlebt, welche Rolle Drohnen zur Überwachung und für die Kriegsführung spielen. Dieses ständige Geräusch vergisst man nicht. Es ist extrem belastend für die Zivilbevölkerung und Helfende, weil es permanente Gefahr bedeutet“, berichtete Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. 15 Millionen Menschen seien allein in der Ukraine auf psychologische Unterstützung angewiesen.
Frauen und Mädchen erleiden zunehmend geschlechtsspezifische Gewalt. Die Zahl konfliktbedingter sexualisierter Gewalt verdoppelte sich 2025 auf fast 10.000 registrierte Fälle weltweit, die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher. Ein Projekt der Diakonie Katastrophenhilfe mit einer lokalen Organisation in der Demokratischen Republik Kongo bietet Notfallbehandlungen für Überlebende von sexualisierter Gewalt. „Diese Hilfe geschieht auch während der aktuellen Ebola-Epidemie, denn Gewalt macht nicht vor Gesundheitskrisen Halt“, so Pruin. Das Projekt mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amts läuft bis Ende 2026, ob es verlängert wird, hängt von öffentlichen Mitteln ab.
„Wenn humanitäre Hilfe gekürzt, Mittel umgeschichtet oder internationale Schutzprogramme geschwächt werden, hat das konkrete Folgen. Die Einsparungen kosten Menschenleben und schwächen unsere Partner vor Ort, die Unglaubliches leisten“, kritisierte Pruin. „Deutschland kann mehr leisten, Deutschland muss mehr leisten. Die Not, die wir tagtäglich sehen, kann niemanden kalt lassen.“
Eine aktuelle YouGov-Umfrage* im Auftrag der Diakonie Katastrophenhilfe zeigt, dass eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland humanitäre Hilfe unterstützt: 76 Prozent der Befragten halten sie für wichtig oder sehr wichtig. 41 Prozent wünschen sich mehr als die geplanten 0,2 Prozent des Gesamtetats des Bundes.
Zahlen zur Bilanz 2025:
2025 erhielt die Diakonie Katastrophenhilfe 29,9 Millionen Euro an Spenden – ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Öffentliche Mittel hingegen sanken um rund ein Drittel auf 18 Millionen Euro. Die Zuwendungen des Auswärtigen Amts an die Diakonie Katastrophenhilfe haben sich mit 9,8 Millionen Euro fast halbiert. Insgesamt standen der Diakonie Katastrophenhilfe 65,2 Millionen Euro für die Programmarbeit zur Verfügung. Gemeinsam mit 113 lokalen, nationalen und internationalen Partnerorganisationen wurden damit 75 Projekte in 42 Ländern umgesetzt. Der Anteil an Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung an der gesamten Mittelverwendung (75,3 Millionen Euro) lag bei 13,4 Prozent und ist laut dem DZI-Spendensiegel angemessen.
Hinweis für Redaktionen:
Für Ihre Recherche steht eine digitale Pressemappe mit dem Jahresbericht, dem Statement von Dagmar Pruin und weiteren Informationen zur Verfügung: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/bilanz
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