Badische Neueste Nachrichten: Inkonsequent

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Die Krankenpflegerin aus der Ukraine, die als
Putzfrau arbeitet, der Akademiker aus Afrika, der sich als
Küchenhelfer durchschlägt und der Ingenieur aus Asien, der Taxi fährt
– die Liste dieser Beispiel ließe sich beliebig fortsetzen, weil es
sich nicht um tragische Einzelschicksale handelt, sondern um ein
grundsätzliches Problem. Deutschland beklagt zwar lautstark den
Fachkräftemangel, doch gleichzeitig leistet es sich den Luxus,
ausländische Fachkräfte, die im Lande leben, nicht in ihrem erlernten
Beruf arbeiten zu lassen, weil es sich weigert, deren Abschlüsse
anzuerkennen. So geht das Potenzial Hunderttausender verloren, die
nicht dürfen wie sie könnten. Besserung sollte das sogenannte
Anerkennungsgesetz bringen, das vor genau einem Jahr in Kraft trat.
Die neue Bildungsministerin Johanna Wanka klopft sich kräftig auf die
Schultern und spricht von einem großen Erfolg, schließlich seien
binnen eines Jahres bereits 30 000 Anträge gestellt worden. Doch
diese Zahl relativiert sich ganz schnell, wenn man bedenkt, dass in
diesem Land rund drei Millionen Ausländer mit Berufsabschlüssen
leben, die weiterhin nicht anerkannt werden und die in Deutschland
weit unterhalb ihrer Qualifikation arbeiten müssen. Wieder einmal
erweist sich der Föderalismus als größter Hemmschuh – erst fünf
Bundesländer haben eigene Anerkennungsgesetze verabschiedet. Dabei
zeigen die bisherigen Erfahrungen, dass die meisten Anträge auf
Anerkennung tatsächlich auch zum Erfolg führen. Der Fachkräftemangel
ist in manchen Branchen und Berufsgruppen längst Realität, im Kampf
um die besten Köpfe muss sich Deutschland etwas einfallen lassen,
will es seinen Wohlstand halten. Die Anerkennung der Abschlüsse ist
im eigenen Interesse. Wenn Zuwanderer in ihren erlernten Berufen
arbeiten dürfen, fördert dies die Integration und die Bereitschaft
der Betroffenen, sich ganz auf ihr neues Heimatland einzulassen. Sie
werden, weil sie akzeptiert sind und ihre Qualifikation geachtet
wird, heimisch. Nicht zuletzt aber zahlen sie auch Steuern und
investieren, statt den Steuerzahlern und den Sozialkassen zur Last zu
fallen.

Pressekontakt:
Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
Telefon: +49 (0721) 789-0
redaktion.leitung@bnn.de

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