BERLINER MORGENPOST: Endlich sagt es mal einer / Kommentar von Uta Keseling zum Breitscheidplatz

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Kurzform: Was sich derzeit auf dem zentralen Platz
der westlichen Innenstadt abspielt, vor Berlins symbolischster
Kirche, am Schauplatz des bisher schwersten islamistischen Anschlags
Deutschlands: Es zeigt einmal mehr, was passiert, wenn in Berlin
Dinge so richtig schieflaufen, bis am Ende der Skandal steht. Erst
sind es nur Kleinigkeiten. Das Genörgel an der martialischen Festung
am Breitscheidplatz. Überquellende Mülleimer. Verstellte Zufahrten.
Und Politiker und Beamte, die immer auf andere zeigen, statt die
Dinge zu regeln.

Der vollständige Kommentar: Man kann natürlich sagen: Letztlich
geht es bei der aktuellen Posse vom Breitscheidplatz nur um
Papierkörbe und zugeparkte Einfahrten. Und um einen renitenten
Pfarrer, der mit einem wütenden Brandbrief versucht, Druck auf die
Politik auszuüben, weil er anders nicht gehört wird. Ja, das wäre
einerseits richtig. Aber andererseits viel zu kurz gegriffen. Denn
was sich derzeit auf dem zentralen Platz der westlichen Innenstadt
abspielt, vor Berlins symbolischster Kirche, am Schauplatz des bisher
schwersten islamistischen Anschlags Deutschlands: Es zeigt einmal
mehr, was passiert, wenn in Berlin Dinge so richtig schieflaufen, bis
am Ende der Skandal steht. Erst sind es nur Kleinigkeiten. Das
Genörgel an der martialischen Festung am Breitscheidplatz.
Überquellende Mülleimer. Verstellte Zufahrten. Und Politiker und
Beamte, die immer auf andere zeigen, statt die Dinge zu regeln. Und
wenn Retter und Polizei im Falle einer erneuten „Lage“ nicht auf den
Breitscheidplatz auffahren können, weil dieser rundum verpollert und
die Einfahrten zugeparkt sind, wird wieder dieses eine Wort bemüht:
„Behördenversagen.“ Warum klärt ein Untersuchungsausschuss noch
immer, was in Berliner Behörden vor dem Anschlag am 19. Dezember 2016
schieflief? Es war ein Fall von komplexem Behördenversagen. Warum
verschickte die Verwaltung den Hinterbliebenen statt
Kondolenzschreiben Rechnungen für die Obduktion? Genau:
Behördenversagen. Der monströse „Lkw-Überfahrschutz“ am
Breitscheidplatz sollte Bürgervertrauen wiedergewinnen. Jetzt geht
selbst das nach hinten los, weil sich zu viele Verantwortliche auf
andere verlassen. Und nur einer sich traut, laut etwas zu sagen: ein
Pfarrer. An eine für alle Seiten akzeptable Lösung glaubt man da
eigentlich nicht mehr.

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