BERLINER MORGENPOST: Frust beim Fliegen bleibt / Leitartikel von Alexander Klay zum Luftfahrtgipfel

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Kurzform: Mit gutem Beispiel vorangehen können
hätte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) beim Luftverkehrsgipfel
in Hamburg. Die Deutsche Flugsicherung, die dem Bund untersteht,
braucht dringend mehr Personal. Das gibt es aber nicht. Scheuer hat
das Problem noch nicht gelöst. Nach dem Spitzentreffen müssen die
Akteure nachliefern, wie ihr konkreter Beitrag gegen den Flug-Frust
aussehen soll. Erste Maßnahmen können sie im verkehrsschwachen Winter
gleich umsetzen. Sonst erlebt Deutschland 2019 wieder ein chaotisches
Jahr auf den Flughäfen.

Der vollständige Leitartikel: Verspätungsanfällige Flugpläne
überprüfen, Flugzeuge vorausschauend warten, zusätzliche
Sicherheitskontrollen gegen lange Warteschlangen – für einen
Außenstehenden erscheinen Stichworte wie diese als
Selbstverständlichkeiten. Doch nach dem Chaos-Sommer im deutschen
Luftverkehr ist offenbar nichts mehr selbstverständlich: Die drei
Punkte sind Teil des Plans, mit dem Politik und Wirtschaft den
Luftverkehr wieder zuverlässiger machen wollen. Aus Kundensicht ist
das eine enttäuschend unkonkrete Reaktion auf den Flug-Frust mit
stundenlangen Verspätungen und Ausfällen in über zehntausend Fällen.
Es fehlen verbindliche Absprachen, was bis wann umgesetzt werden
soll. Sicher, die Pleite von Air Berlin hat im Luftverkehr viel
durcheinandergewirbelt. Als Deutschlands zweitgrößte Airline vor bald
einem Jahr den Betrieb einstellte, war klar: Es wird Turbulenzen
geben, insbesondere in Berlin sehr heftige. Der
Lufthansa-Billigableger Eurowings und die Konkurrenten Easyjet und
Ryanair übernahmen Strecken, Personal und Flieger. Das geht natürlich
nicht über Nacht und auch nicht in ein paar Wochen. Doch insbesondere
der Billigflieger Eurowings bekam die Situation monatelang nicht in
den Griff. Beschwerden bleiben bis heute wochen-, teils monatelang
unbeantwortet. Auch dessen Premium-Mutter Lufthansa musste im Sommer
massive Probleme eingestehen. Die gab es auch bei
Sicherheitskontrollen, Bodendienstleistern und Flugsicherung. Dieses
Jahr war definitiv keine gute Werbung für das Fliegen. In dem Chaos
gab es keinen ernsten Zwischenfall, die Sicherheit steht im
Flugverkehr noch immer an erster Stelle. Dennoch war jeder Passagier
mit Ungewissheit konfrontiert: Hebt mein Flieger pünktlich ab? Komme
ich rechtzeitig durch die Sicherheitskontrolle? Wird der Flug in
letzter Minute gestrichen? Selbst eine Treppe zum Aussteigen ans
Flugzeug zu bringen, scheint eine größere Herausforderung zu sein. So
kann es nicht weitergehen. Ein Problem dabei ist der gewaltige
Kostendruck. Im Kampf um den billigsten Ticketpreis geht es vor allem
darum, wie viele Flüge die Maschinen und Besatzungen am Tag schaffen.
Und die Airlines drücken die Kosten bei Dienstleistern am Boden. Die
Folgen zeigten sich allerorts in diesem Sommer: Personalreserven
scheint es nicht mehr zu geben. Dann kann es schon mal eine Stunde
dauern, bis die Koffer eines verspäteten Fluges auf dem Gepäckband
landen. Leicht entzerrte Flugpläne, etwas mehr Personal an den
Flughäfen: Kleine, aber wirksame Verbesserungen wie diese müssen die
Passagiere vielleicht mit etwas höheren Ticketpreisen bezahlen. Das
wäre es allemal wert, zumal die meisten Flüge spottbillig blieben.
Mehr Pünktlichkeit dürfte sich auch für die Airlines lohnen. Die
Lufthansa hat nach eigenen Angaben 2018 schon eine Viertelmilliarde
Euro für Fluggast-Entschädigungen ausgegeben. Der zusätzliche
Imageschaden lässt sich kaum beziffern. Mit gutem Beispiel vorangehen
können hätte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) beim
Luftverkehrsgipfel in Hamburg. Die Deutsche Flugsicherung, die dem
Bund untersteht, braucht dringend mehr Personal. Das gibt es aber
nicht. Scheuer hat das Problem noch nicht gelöst. Nach dem
Spitzentreffen müssen die Akteure nachliefern, wie ihr konkreter
Beitrag gegen den Flug-Frust aussehen soll. Erste Maßnahmen können
sie im verkehrsschwachen Winter gleich umsetzen. Sonst erlebt
Deutschland 2019 wieder ein chaotisches Jahr auf den Flughäfen.

Pressekontakt:
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