Brinkhaus: Wir können auch heute noch von Konrad Adenauer lernen!

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CDU als Volkspartei erhalten

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus,
besucht an diesem Donnerstag das Adenauerhaus in Rhöndorf. In einem
Essay würdigt Brinkhaus den ersten Fraktionsvorsitzenden sowie ersten
Kanzler der Bundesrepublik. Der Beitrag, der auch auf der Homepage
der Fraktion – www.cducsu.de – veröffentlicht ist, hat folgenden
Wortlaut:

Konrad Adenauer ist für mich bis heute eine der faszinierendsten
Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Kein anderer Politiker –
Helmut Kohl vielleicht ausgenommen – hat die Bundesrepublik so
nachhaltig geprägt wie Adenauer. Er war der erste Kanzler der
Bundesrepublik, Mitbegründer der Volkspartei CDU und Verfechter eines
geeinten Europas. Er ist ein Monument in der deutschen Geschichte.

Als neuer Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion besuche ich
an diesem Donnerstag den Wohnsitz Adenauers in Rhöndorf bei Bonn. Mit
diesem Besuch will ich meine Wertschätzung für Adenauer deutlich
machen, der ja auch für wenige Tage der erste Vorsitzende der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion war. „Der Alte“ ist aber beileibe keine
museale Gestalt. Wer in wichtigen Fragen nach Orientierung sucht,
sollte sich an Adenauers politisches Wirken erinnern. Man kann auch
heute noch von ihm lernen.

Drei Punkte möchte ich aus aktuellem Anlass herausgreifen: In der
Union wird vor dem Hamburger Parteitag Anfang Dezember auch über den
künftigen politischen Kurs diskutiert. Mitunter ist in der Partei der
Wunsch zu vernehmen, wieder mehr an die Verortung vor 1998
anzuknüpfen. Ich halte solche Debatten für nicht zielführend. Es
kommt immer auf die konkrete politische Gesamtkonstellation an. Die
eine Herangehensweise mag dann mehr konservativ erscheinen, die
andere mehr liberal, eine andere wiederum mehr christlich-sozial. Am
Ende stellt sich jedoch die Frage: Was nützt sie den Menschen und dem
Land?

Das wäre ganz in Adenauers Sinn. Auch er war Pragmatiker und –
heute würde man sagen – Realpolitiker. Politischen Utopien stand er
skeptisch gegenüber. „Nehmen Sie die Menschen wie sie sind, andere
gibt es nicht“, lautet ein bekanntes Zitat von ihm. So sehr er
„reinen Lehren“ kritisch gegenüberstand, so sehr vertrat er den
Gedanken der Volkspartei, den er schon in der Weimarer Republik
verfolgte.

Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg – Adenauer war von der
amerikanischen Militärregierung wieder als Oberbürgermeister von Köln
eingesetzt worden – trat er in die Christlich-Demokratische Partei
(CDP) ein, die spätere CDU. Deren Gründung war ein Novum in der
deutschen Parteiengeschichte. Sie begriff sich als überkonfessionelle
Volkspartei – im Gegensatz zur rein katholischen Zentrumspartei in
der Weimarer Republik – und bekannte sich zu einem allgemeinen
christlichen Familien- und Menschenbild.

Die Christlich-Demokratische Union – der Name Union ist Programm –
wollte nicht nur eine Partei für die katholischen und evangelischen
Christen sein, sondern auch Bürger aus allen soziale Schichten in
einer Volkspartei vereinen. Faszinierend ist, dass sich bereits in
den Gründungsjahren erste Vereinigungen wie die Jungen Union, die
Frauenarbeitsgemeinschaft oder die Sozialausschüsse konstituierten,
die die ganze Breite der Union abbildeten. Der Historiker Hans-Peter
Schwarz urteilte einst, dass die CDU ein „Großexperiment der
Parteibildung“ gewesen sei.

Die CDU muss heute nicht erneut zu einem Laborversuch antreten.
Adenauer lehrt uns aber, dass wir offen sein müssen für alle
Menschen. Dass wir Partei aller Bürger aus allen Berufen, allen
Regionen und unterschiedlicher Herkunft sein müssen. Bei uns müssen
sich die Bürger sicher sein können, dass ihre Anliegen ernst genommen
werden, dass ihre Interessen gegen die anderer verantwortungsvoll
abgewogen werden, damit am Ende eine gute Politik für alle Bürger
herauskommt. Gerade in einer Gesellschaft, die zunehmend
auseinanderstrebt, müssen wir alles daransetzen, die CDU als
Volkspartei zu erhalten – als Volkspartei, in der die Menschen
zusammengeführt werden.

Adenauers Name ist auch wie kaum ein anderer mit dem vereinten
Europa verbunden. Bereits in seiner Zeit als Kölner Oberbürgermeister
während der Weimarer Jahre war Adenauer klar geworden, dass die
Isolation Deutschlands als Folge des Ersten Weltkriegs und die
deutsch-französische „Erbfeindschaft“ nur durch eine Politik der
Verständigung und Zusammenarbeit überwunden werden könnten. Das
Streben nach einem geeinten Europa war ein zentrales Ziel seiner
Kanzlerschaft.

„Die Rettung Deutschlands und die Rettung Europas sind identisch“,
sagte er auf einer Veranstaltung 1948, als Europa noch in Schutt und
Asche lag. Das Ziel des vereinten Europas verband er dabei stets mit
dem Ziel der Westbindung: „Es besteht für uns kein Zweifel, dass wir
nach unserer Herkunft und nach unserer Gesinnung zur westeuropäischen
Welt gehören“, sagte er in seiner ersten Regierungserklärung. „Wir
wollen zu allen Ländern gute Beziehungen, auch solche persönlicher
Art, unterhalten, insbesondere aber zu unsern Nachbarländern, den
Benelux-Staaten, Frankreich, Italien, England und den nordischen
Staaten.“ Der Stratege Adenauer wusste, dass sich das gemeinsame
Europa nur Schritt für Schritt erreichen ließe.

Wir haben vor wenigen Tagen an das Ende des Ersten Weltkriegs
erinnert. Was wäre den Völkern erspart geblieben, wenn es 1914 und
auch 1939 das Europa gegeben hätte, das Adenauer nach dem Ende des
Zweiten Weltkriegs mit aufgebaut hat. Die Toten der beiden Weltkriege
waren ihm eine Mahnung. Sie müssen es auch heute noch sein. Jeder
Einsatz für Europa ist und bleibt auch ein Einsatz für den Frieden.

Europa wird weiter zusammenwachsen müssen. Anders wird sich unser
Kontinent in einer globalisierten Welt nicht behaupten können. Es
gibt ein Zitat von Adenauer aus dem Jahre 1953, das visionär ist:
„Kein europäisches Volk ist allein in der Lage, sich militärisch zu
schützen oder wirtschaftlich zu entwickeln. Bestünde man darauf, in
der heutigen Welt die traditionellen Begriffe des Nationalismus
hochzuhalten, so bedeutete dies die Aufgabe Europas.“ Genau so müsste
dies jeder Politiker heute formulieren.

Adenauer bejahte die Einheit Europas – aber er wollte keine
Gleichförmigkeit. „Die Deutschen sind Deutsche, die Franzosen
Franzosen, die Niederländer Niederländer. Jeder will sein Vaterland
behalten mit seiner Kultur, Geschichte und Sprache. Keiner kann
verlangen, dass die berechtigte Eigenart aufgegeben wird“, sagte er
im Jahr 1962 in einem Interview. Auch heute wissen wir, dass man den
Bürgern eine europäische Identität nicht verordnen kann. Es gibt zwar
viele Bürger, die sich vor allem als Bürger Europas ansehen. Aber es
sind beileibe nicht alle. Das muss akzeptiert werden – ebenso wie die
Tatsache, dass Bürger ihr Land oder ihre Region vornehmlich als ihre
Heimat betrachten. Nicht akzeptieren darf man aber, wenn ein neuer
Nationalismus als Allheilmittel propagiert wird.

Adenauer wusste auch immer um die Bedeutung der
deutsch-französischen Beziehungen. Die Aussöhnung mit dem „Erbfeind“
hatte für den ersten Kanzler der Bundesrepublik besondere Bedeutung,
denn die „deutsch-französische Frage bleibt eine der Hauptfragen
Europas“. An einer wirklichen und dauerhaften Verständigung zwischen
Deutschland und Frankreich hängt die ganze europäische Zukunft“,
sagte er bereits 1948. Ein besonders enges Verhältnis verband
Adenauer mit Charles de Gaulle. Der gemeinsame Besuch der
Friedensmesse im Juli 1962 in Reims – Ort der bedingungslosen
Kapitulation der Wehrmacht im Mai 1945 – ist bis heute ein Augenblick
mit besonderer Symbolkraft für die deutsch-französische Geschichte.

Helmut Kohl und auch Angela Merkel haben diesen Weg fortgesetzt
ebenso wie das Parlament und die CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Das
deutsch-französische Verhältnis müssen wir pflegen. Es geht zwar
längst nicht mehr um Krieg oder Frieden zwischen den Nationen. Aber
ohne Deutschland und Frankreich – ohne den deutsch-französischen
Motor – bewegt sich wenig in Europa. Die Weltordnung ist aus den
Fugen geraten. Die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich
sollte als Pfeiler der Stabilität im Interesse der Bürger unbedingt
erhalten und ausgebaut werden. Sie ist wie ein geeintes Europa
Voraussetzung für eine gute Zukunft.

Pressekontakt:
CDU/CSU – Bundestagsfraktion
Pressestelle
Telefon: (030) 227-52360
Fax: (030) 227-56660
Internet: http://www.cducsu.de
Email: pressestelle@cducsu.de

Original-Content von: CDU/CSU – Bundestagsfraktion, übermittelt durch news aktuell

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