Desaster für die Demokraten Die Auszählpanne in Iowa ist mehr als peinlich. Mit der Verkündung von “Schein-Siegen” begeben sich die Trump-Herausforderer auf zweifelhaftes Terrain. Von Thomas Spang

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In Iowa wollten die Demokraten den Startschuss für den Anfang
des Endes der Ära Trump geben. Stattdessen gerieten die ersten Vorwahlen zu
einem peinlichen Fehlstart, der es dem Präsidenten erlaubt, von seinem
Amtsenthebungsverfahren abzulenken. Ginge es bloß um die 41 Delegierten, die in
dem wenig repräsentativen Agrarstaat im Mittleren Westen vergeben werden, könnte
man das Chaos der Wahlnacht getrost vergessen. Doch die Bedeutung der “Caucuses”
genannten Parteiversammlungen geht weit darüber hinaus. Sie ist symbolisch und
faktisch zugleich. Hier werden traditionell wichtige Weichen gestellt. Bei den
Demokraten haben sich die Wähler in Iowa nur zwei Mal nicht für den späteren
Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei entschieden. Seit 1996 hatten sie immer
den richtigen Riecher gehabt. Genau deshalb nisten sich die Kandidaten über
Monate in dem Bundesstaat ein, schütteln jede Hand, die sie greifen können und
werden Experten für Schweinezucht und Sojabohnen. Für wie wichtig die Kandidaten
Iowa halten, lässt sich an der Zahl von 2500 Wahlveranstaltungen im
zurückliegenden Jahr ablesen. Allein der Milliardär Michael Bloomberg wagte es
dank seines sagenhaften Reichtums, die populistischen Lockerungsübungen in dem
ländlichen Iowa auszulassen. Er profitiert von dem Desaster, weil er nicht auf
die Spendengelder und kostenlose Medienaufmerksamkeit angewiesen ist, die
Außenseitern ohne tiefe Taschen eine Chance geben. Wie seinerzeit dem
Erdnussfarmer Jimmy Carter aus Georgia, der mit seinem Sieg bei den Caucuses
1976 praktisch aus dem Nichts in die nationalen Schlagzeilen geriet. Die
systematischen Pannen beim Erfassen der Ergebnisse aus den 1700
Wahlversammlungen berauben den Sieger von Iowa genau dieser Chance. Am härtesten
trifft dies Pete Buttigieg, der in seiner politischen Heimat des Mittleren
Westens alles auf eine Karte gesetzt hat. Alle Indikatoren deuten darauf hin,
dass der 38-jähriger Bürgermeister aus Indiana besser abschnitt, als
Vizepräsident Joe Biden, mit dem er um die Führung im moderaten Lager
konkurriert. Auch Bernie Sanders schadet es, nicht zu wissen, ob er den Wahlsieg
davongetragen hat. Er führte in den Umfragen und muss angesichts des Gegenwinds
aus dem Establishment der Partei beweisen, dass er in einem eher ländlichen und
konservativen Staat gewinnen kann. Dagegen reichte es für Elizabeth Warren,
unter den ersten Drei zu liegen. Die progressive Senatorin könnte sich dann als
Kompromiss-Kandidatin positionieren, die sowohl für die Linken als auch die
Moderaten akzeptabel wäre. Der Einzige, für den das Chaos der Wahlnacht recht
kommt, dürfte Joe Biden sein. In vielen Caucuses qualifizierte sich “Onkel Joe”
nicht einmal für die zweite Runde. Es ist mehr als offenkundig, dass er nicht
die erste Wahl der Demokraten in Iowa war. Je länger es dauert, bis die Partei
den Sieger kürt, desto weniger bedeutet der Preis. Dass sich in der Wahlnacht
alle irgendwie zu Gewinnern erklärten, mag verständlich sein, schadet aber der
Glaubwürdigkeit der Kandidaten. Mit der Verkündigung von “Schein-Siegen” begeben
sie sich auf postfaktisches Terrain, das bisher Donald Trump vorbehalten war.
Während der Gewinner noch gesucht wird, steht der Verlierer der Chaos-Nacht
steht schon fest: Der Status Iowas bei der Kandidatenauswahl. Einmal mehr steht
in Frage, ob der wenig repräsentative Staat bei den Präsidentschaftswahlen eine
so zentrale Rolle spielen soll. Es gibt gute Gründe, die ersten Vorwahlen in
Staaten wie Florida, Ohio oder North Carolina zu verlegen, die mehr das heutige
Amerika widerspiegeln.

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