Essener Generalvikar Pfeffer fordert wegen hoher Austrittszahlen “ernsthafte Erneuerung der Kirche”

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Nach der Bekanntgabe eines Anstiegs der Kirchenaustritte in
Nordrhein-Westfalen um 65 Prozent von 2017 bis 2019 fordert der Essener
Generalvikar Klaus Pfeffer eine “ernsthafte Erneuerung unserer Kirche”. Daran
führe kein Weg vorbei, sagte er dem “Kölner Stadt-Anzeiger”
(Donnerstag-Ausgabe). Ohne sich zu den jüngsten Zahlen konkret äußern zu wollen,
bestätigten diese die von ihm wahrgenommene Stimmungslage, so Pfeffer weiter.
Die Austrittswelle habe mittlerweile “die Treuesten der Treuen” erfasst. “Darum
bin ich froh, dass die Erneuerungsdebatten nun doch immer offener und deutlicher
voranschreiten.” Pfeffer begrüßte in diesem Zusammenhang ausdrücklich den als
Reformprozess von Bischöfen und Laien gestarteten “Synodalen Weg”. Die
katholische Kirche müsse lernen, “in der modernen, pluralen und freiheitlichen
Welt wirklich anzukommen.” Allerdings habe eine “Minderheit” genau davor Angst
und wolle “mit aller Macht jegliche Entwicklung verhindern”.

Der Religionssoziologe Detlef Pollack vom Exzellenz-Cluster “Religion und
Politik” der Universität Münster nannte eine empfundene Nutzlosigkeit der Kirche
als “vielleicht wichtigsten Grund” für den Kirchenaustritt. Immer mehr Menschen
hätten “das Gefühl, die Kirche nicht zu brauchen”. Ähnlich äußerte sich die
Erfurter Dogmatik-Professorin Julia Knop: “Ein Austritt ist Ansage, für das
eigene Seelenheil und im normalen Alltag keine Kirche (mehr) zu brauchen. Ein
Austritt ist damit zugleich eine Absage an das Selbstverständnis der
katholischen Kirche, für Seelenheil und Alltag der Gläubigen bedeutsam,
vielleicht sogar unverzichtbar zu sein.” Der Freiburger Religionssoziologe
Michael Ebertz führte den sprunghaften Anstieg der Austritte nicht zuletzt auf
die Form innerkirchlicher Debatten zurück. “Wenn Christen – bis in höchste Ämter
– in schlechtem Stil und unanständiger Wortwahl übereinander herfallen, denken
sich viele: Da stimmt doch alles nicht mehr”, sagte Ebertz dem “Kölner
Stadt-Anzeiger”. Das seit Herbst 2019 auf der Ebene der Bischofskonferenz
diskutierte Vorhaben, Opfer sexueller Gewalt, begangen von Priestern, aus
Kirchensteuer-Mitteln zu entschädigen, habe die Wut und Empörung noch einmal
gesteigert, so Ebertz. “Der Bogen ist längst überspannt, aber irgendwann bricht
er.”

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