Fatales Signal: Bundesregierung lehnt Finanzierung der Fachtagung Alphabetisierung ab

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Zur Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der SPD-Fraktion nach der Finanzierung der Fachtagung Alphabetisierung erklaeren der bildungs- und forschungspolitische Sprecher Ernst Dieter Rossmann sowie der Bundestagsabgeordnete Oliver Kaczmarek:

Angesicht der hohen Zahl von funktionalen Analphabeten in Deutschland ist dringend Handlungsbedarf geboten. Doch Ankuendigungsministerin Anette Schavan laesst ihren grossen Worten keine Taten folgen. Im Gegenteil. Der von ihr gross angekuendigte Grundbildungspakt mit den Laendern kommt nicht voran und die urspruenglich in Aussicht gestellte Finanzierung der diesjaehrigen Fachtagung Alphabetisierung ist gestrichen.

Wenn wir uns bewusst machen, dass wir uns aktuell in der Weltalphabetisierungsdekade der Vereinten Nationen befinden und im Fruehjahr bekannt wurde, dass in Deutschland 7,5 Millionen Menschen funktionale Analphabeten sind, ist dies ein fatales Signal an die Betroffenen und die Akteure der Alphabetisierungsarbeit.

Die seit 2003 jaehrlich stattfindenden Fachtagungen, organisiert vom Bundesverband Alphabetisierung, dienen als Plattform der gesamten Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit in Deutschland. Die naechste Fachtagung findet am kommenden Wochenende in der Universitaetsstadt Muenster statt. Statt der sonst rund 300 Teilnehmer nehmen in diesem Jahr nur etwa die Haelfte der Menschen daran teil. Die Bundesregierung hat in diesem Jahr im Gegensatz zu den vergangenen Jahren ihre Finanzierungszusage nicht eingehalten. Vor allem Betroffene, also Lernende, nutzen die Gelegenheit um Erfahrungen auszutauschen und Mut zufassen. Ohne die Tagung fehlt Akteuren in Deutschland ein zentraler Ort fuer den fachlichen Austausch und die Weiterentwicklung der Arbeit. Als Begruendung fuer die Ablehnung der Finanzierung nennt das Bundesbildungsministerium, dass die Fachtagung in diesem Jahr nicht dem Ansatz des Foerderschwerpunktes „Forschung und Entwicklung zur Alphabetisierung und Grundbildung“ dient. Die SPD-Bundestagfraktion findet diese Begruendung unzulaenglich. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und in Kooperation mit dem Bundesverband Alphabetisierung haetten sich mit Sicherheit andere Moeglichkeiten der Foerderung ergeben. Die Fachtagung findet Dank des Engagements zahlreicher Akteure und Spendern statt, aber mit weniger Lernenden als sonst, weil diese sich zum Beispiel die Fahrtkosten nicht leisten koennen.

Ausloeser fuer die aktuelle politische Diskussion um das Thema Alphabetisierung ist die Veroeffentlichung der Studie „leo. – Level-One Survey“ Anfang des Jahres. Sie hat ergeben, dass der funktionale Analphabetismus in Deutschland 7,5 Millionen Menschen im erwerbsfaehigen Alter betrifft. Das sind 14,5 Prozent der Bevoelkerung, die teilweise zwar einzelne Saetze lesen oder schreiben koennen, nicht jedoch zusammenhaengende Texte. Sie koennen somit keine Arbeitseinweisungen, geschweige denn Zeitungen oder Buecher lesen.

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