Heilbronner Stimme: Wirtschaftsweiser Bofinger fordert Investitionsprogramm für Wohnungsbau

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Peter Bofinger, Mitglied des
Sachverständigenrates der Bundesregierung (Wirtschaftsweise), fordert
„ein längerfristiges Wohnungsbau- und Städteentwicklungsprogramm“.

„Der soziale Wohnungsbau muss eine zentrale Rolle spielen“, sagte
der Wirtschaftsprofessor der „Heilbronner Stimme“ (Freitag). „Das
wäre auch für die Bauwirtschaft gut, die dann wüsste, dass sie die
nächsten zehn Jahre eine sichere Nachfrage hätte und ihre Kapazitäten
ausweiten könnte.“ Die notwendigen Arbeitskräfte solle man über eine
erleichterte Einwanderung für qualifizierte Kräfte ins Land holen.

Angesichts der vollen Staatskassen sei es die richtige Zeit für
massive Investitionen. Bofinger: „Schuldenabbau ist das Dümmste, was
man jetzt machen kann. Das Verhältnis der Staatsverschuldung relativ
zur Wirtschaftsleistung liegt bei 60 Prozent. Es gibt gar keinen
Grund, das weiter abzubauen.“ Investiert werden sollte auch in die
ganze städtische Infrastruktur, Schulen, öffentliche Gebäude. „Da
könnte man eine ganze Menge tun. Das würde auch dazu beitragen, dass
Bürger nicht das Gefühl haben, dass sie von der Politik vergessen
werden. Wenn man an manche Schulen geht, kriegt man das kalte
Grausen.“

Der großen Koalition stellt der Wirtschaftsweise ein gutes Zeugnis
aus: „Ich bin ja ein großer GroKo-Fan, wahrscheinlich einer der
wenigen. Wenn man die Daten anschaut, zeigt sich, dass die deutsche
Wirtschaft enorm gewachsen ist, seit wir die GroKo haben: Seit 2013
stabil um zwei Prozent pro Jahr, wir haben 2,5 Millionen Beschäftigte
mehr als damals, fast Vollbeschäftigung. Es war eine der besten
wirtschaftlichen Phasen seit langem.“

Auf die Frage, ob die Arbeit des Sachverständigenrats sinnvoll
sei, sagte Bofinger: „Es ist wichtig, dass es eine Institution gibt,
die unabhängig ist. Es ist ja spannend, dass Frau Merkel das
Gutachten kriegt und nicht weiß, was drin steht. Wir haben noch nie
erlebt, dass irgendein Politiker versucht hat, auf uns Einfluss zu
nehmen. Der Sachverständigenrat ist so ein Art Stiftung Warentest für
die Wirtschaftspolitik.“

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Gutachten persönlich liest,
glaubt Bofinger aber nicht. „Nein. Aber das Gutachten wird natürlich
von ihren Mitarbeitern und in allen Ministerien bis ins Detail
ausgewertet und dann kondensiert den Chefs vorgetragen. Insofern
fühlen wir uns wertgeschätzt in unserer Arbeit.“

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