Kinder, Kinder / Leitartikel von Friedrich Roeingh zu neuen Prioritäten

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Debatten über Debatten. Der Stoff für die Verhandlung von Zumutungen und Lockerungen geht uns in dieser Pandemie nicht aus: Ist es richtig, schon jetzt die Priorisierung bei den Impfungen aufzugeben? Oder sollen Mitarbeiter in der Gastronomie noch vorrangig geschützt werden? Warum kann ich in der Schweiz Urlaub machen und im Nachbarkreis nicht mal einen Cappuccino trinken? Wann kommt der digitale Impfausweis? Muss ich noch Maske tragen, wenn ich vollständig geimpft bin? Was haben diese Debatten alle gemeinsam? Es geht immer nur um die Befindlichkeiten von uns – von uns Erwachsenen: Reisen, Essen, Shoppen, Feiern. Kinder und Jugendliche finden wieder mal nur am Rande statt. Dabei haben Kinder- und Jugendärzte gerade erst Alarm geschlagen – offenbar noch nicht laut genug. Wie entrückt ist eigentlich der überwiegende Teil unserer Gesellschaft den Kindern, dass wir ihre Nöte nach eineinhalb Jahren Corona noch immer nicht ernst nehmen? Und das, obwohl sie mittlerweile offensichtlich sind: Es geht nicht mehr nur um kaum aufholbare Lerndefizite. Die Kinder werden auf Isolation getrimmt – Zukunftsängste haben wir ihnen regelrecht eingeimpft. Spaß und Stressabbau im Sport haben wir ihnen zugleich genommen. Das Ergebnis: Motorische Fähigkeiten verkümmern, Depressionen und Selbstverletzungen nehmen massiv zu. Kinder- und Jugendpsychiater – zuvor schon chronisch überlastet – werden des Ansturms kaum noch Herr. Und immer sind die Kinder aus prekären Verhältnissen am stärksten betroffen, die wir ohnehin schon zu verlieren drohen. Mit ihnen geht niemand in den Wald. Ausgerechnet mit ihnen holt niemand den Schulstoff so richtig nach. So verständlich die Mahnung ist, nicht zu früh mit dem immer wieder aufflackernden Feuer dieser Pandemie zu spielen: Es ist an der Zeit, Kinder nun in allem vorrangig zu behandeln. Wir brauchen dringend eine Art Gesellschaftsvertrag, dass mit der vermeintlichen Gleichbehandlung von Kindern und Jugendlichen bei den Einschränkungen durch die Pandemie Schluss ist. Wenn Lehrer und Betreuer geimpft sind, wenn sich in ein paar Wochen jeder Impfwillige impfen lassen konnte, dürfen Kinder und Jugendliche keinen Tag länger als epidemiologische Manövriermasse entwertet werden. Das heißt: statt Wechselunterricht wieder verlässlicher Präsenzunterricht für die kompletten Schulklassen. Und das heißt: Sport im Freien ohne Einschränkungen. Wenn neue Mutanten kommen, wenn die Infektionen im Kreis der Nichtgeimpften und Nichtimmunisierten wieder grassieren sollten, mögen uns neue Instrumente und Einschränkungen einfallen. Einschränkungen aber, die Kindern und Jugendlichen ihre Entwicklungschancen und ihre Lebenslust rauben, dürfen dann nicht mehr dabei sein.

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