Martin Habersaat: Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen?

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Ende 2016 haben die Leitungen einiger
Gemeinschaftsschulen den Verein „Schulen am Wind“ gegründet, der sich
als Lobby für eine bessere Versorgung von Gemeinschaftsschulen an
schwierigen Standorten und zugunsten einer umfassenderen
Unterstützung für deren Schülerinnen und Schüler versteht. Dieser
Verein steht im Kontakt mit dem Bildungsministerium. Das war auch
schon vor der Landtagswahl so, und mit den Parteien und Fraktionen.
Viele Parteien haben schließlich auch entsprechende Forderungen in
ihre Wahlprogramme aufgenommen. Bei den Grünen hieß das
„Bildungsbonus“, bei der SPD war von einem „Sozialindex“ nach
Hamburger Vorbild zu lesen – in beiden Fällen übrigens mit der
Möglichkeit zusätzlicher Unterstützung für Schulen aller Schularten.

Woran der Verein mit Sicherheit kein Interesse hat, ist, sich vor
den Wagen der sogenannten AfD spannen zu lassen. Diese Leiterinnen
und Leiter von Gemeinschaftsschulen stellen nicht die Schulreformen
der Jahre 2007 bis 2014 – und damit ihre eigene Schulart – in Frage,
sondern sie mahnen völlig zu Recht an, dass zur Bildungsgerechtigkeit
auch ein Nachteilsausgleich gehört.

Die PISA-Untersuchungen zeigen, dass Deutschland aufgrund
vielfältiger Reformen schrittweise besser wird, was den fatalen Link
zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen angeht, aber wir sind
noch nicht da, wo wir sein wollen. Das Wahlrecht der Eltern, an
welche Schule sie ihre Kinder schicken wollen, ist ein hohes Gut.
Aber es birgt das Risiko der sozialen Entmischung.

Das wird durch die Politik der Landesregierung noch verschärft,
die darauf hinausläuft, die Gymnasien im Wettbewerb mit den
Gemeinschaftsschulen -beispielsweise durch Bonusstunden
ausschließlich für Oberstufen an Gymnasien – so zu bevorzugen, dass
sie die leistungsstärksten Schüler von den Gemeinschaftsschulen
abwerben. Im Gegenzug droht die schwarze Ampel im Koalitionsvertrag
an, Schrägversetzungen wieder vermehrt zu ermöglichen. Die Guten ins
Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen?

Es kommt nicht von ungefähr, dass der Landeselternbeirat der
Gemeinschaftsschulen in seiner Pressemitteilung von letztem Dienstag
von der aktuellen Bildungspolitik als „großem Sorgenpunkt“ schreibt.
Übrigens werden auch der von Ihnen angekündigte Bonus für kleine
Grundschulen und die zusätzlichen Mittel für Ersatzschulen eher nicht
solchen Schulen „am Wind“ helfen. Wir müssen ehrlich sagen:
Integration, Inklusion und Differenzierung sind Aufgaben, vor die wir
die Schulen in unserem Land in sehr unterschiedlichem Ausmaß stellen.
Und wir müssen feststellen: Die Gemeinschaftsschulen können und
wollen keine Schülerinnen und Schüler aussortieren. Aber sie brauchen
ausreichende Ressourcen, um ihre heterogene Schülerschaft optimal zu
fördern.

Niemand von uns kann ernsthaft wollen, dass sich Schulen in
unseren Städten zu „Restschulen“ entwickeln. Wenn Bewerber für
Ausbildungs- und Arbeitsplätze aussortiert werden, weil die
Unternehmen Absolventen einer derartigen Schule grundsätzlich nicht
haben wollen, wäre das der Bankrott des Schulsystems. Wir beantragen
deshalb, dass die Landesregierung einen Sozialindex für die Schulen
erarbeitet, der die Grundlage dafür ist, einen Schlüssel für eine
zusätzliche Förderung der Brennpunktschulen mit Lehrkräften,
Schulsozialarbeit und anderen geeigneten Unterstützungsmaßnahmen zu
schaffen. Auch die Ausweitung der von der Küstenkoalition
eingeführten Schulassistenz oder der von der Küstenkoalition
erweiterten Differenzierungsstunden könnten geeignete Mittel sein –
übrigens für alle Schularten! Den Blick allein auf Lehrerstellen
halten wir für verkürzt.

Der Antrag der Koalition gibt das her. Dem Auftrag an die
Landesregierung zur Konzepterstellung stimmen wir zu. Wir bitten
außerdem darum, unserem Antrag in den Ausschuss zu überweisen, damit
wir nicht erst im Oktober 2018 wieder über dieses Thema sprechen. Den
Antrag der sogenannten AfD lehnen wir ab. Vielen Dank für Ihre
Aufmerksamkeit.

Pressekontakt:
Pressesprecher: Heimo Zwischenberger (h.zwischenberger@spd.ltsh.de)

Original-Content von: SPD-Landtagsfraktion SH, übermittelt durch news aktuell

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