Mitten im Minenfeld / Von Dagmar Unrecht

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Bootsfrau, Feldwebelin, Oberstleutnantin – das Verteidigungsministerium beschäftigt sich derzeit mit weiblichen Dienstgradbezeichnungen. Diskutiert wird darüber schon länger, zu einer Entscheidung kam es bisher nie. Aus gutem Grund, denn das Thema ist heikel. Befürworter wie Gegner haben starke Argumente. Doch am Ende ist die Debatte um weibliche Dienstgrade nur eine Phantomdiskussion: Die Truppe hat ganz andere Probleme. Von den Frauen im Verteidigungsausschuss kommt bisher wenig Zuspruch für die Änderungspläne. Auch der Bundeswehrverband lehnt das Vorhaben ab: “Wenn unsere Kameradinnen mehrheitlich Dienstgrade mit einer weiblichen Endung wollten, wäre das sicher eine gute Idee”, wird Verbandschef André Wüstner im “Spiegel” zitiert. Tatsächlich kenne der Verband aber nur Frauen, die eine solche Änderung ablehnten, so Wüstner weiter. Auf Twitter machen aktive Soldatinnen derzeit gegen die Gender-Pläne mobil. Vor zwanzig Jahren hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass Frauen zum Dienst an der Waffe zugelassen werden müssen. Liegt es da nicht nahe, nach all der Zeit endlich weibliche Funktionsbezeichnungen einzuführen? Entscheidend sollte allein die Akzeptanz bei den Betroffenen sein, also bei den rund 22 000 Frauen in der Bundeswehr. Von ihnen muss der Wunsch nach geschlechtsspezifischen Benennungen mehrheitlich getragen werden. Ob das auch so ist, sollte das Verteidigungsministerium unbedingt klären – zum Beispiel per Abstimmung unter den Soldatinnen. Es wäre fatal, darüber fernab der Truppe an einem Schreibtisch zu entscheiden. Schaut man in einhellige Foren, so äußern sich Soldatinnen eher kritisch zu den Plänen. Das Hauptargument: Ein gemeinsamer Dienstgrad trennt nicht, sondern eint. Gegenderte Funktionsbezeichnungen würden dagegen Unterschiede in einer naturgemäß uniformen Gemeinschaft manifestieren. Es gehe darum, so die Argumentation, mit den bestehenden Begriffen selbstverständlich alle Geschlechter zu meinen. Allein der Zusatz “Frau” in der Anrede genüge, um dem weiblichen Geschlecht gerecht zu werden, ist da zu lesen. Derzeit liegt der Frauenanteil in der Bundeswehr bei rund zwölf Prozent. Viel Luft nach oben also. Ob gegenderte Dienstgrade die Attraktivität der Bundeswehr für Frauen erhöhen? Eine Studie aus dem Jahr 2014, vorgelegt vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, lässt daran zumindest Zweifel aufkommen. Eine große Mehrheit sowohl der befragten Männer als auch der Frauen sprach sich darin für einheitliche Dienstbezeichnungen aus. Mit Sprache kann man Respekt und Wertschätzung ausdrücken – oder auch vermissen lassen. Es ist nicht egal, wie wir jemanden ansprechen, weil es ausdrückt, wie wir ihm oder ihr begegnen. Wer weibliche Dienstgrade einführt, muss dafür sorgen, dass diese nicht unfreiwillig komisch klingen oder in der Truppe sogar negativ konnotiert sind. Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. Hohn und Spott wären das Letzte, was Soldatinnen brauchen. Die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in der Bundeswehr voranzutreiben und einen respektvollen Umgang miteinander zu fördern und fordern, ist wichtig. Unbestritten ist aber auch, dass für Frauen wie für Männer in erster Linie eine vernünftige Ausrüstung das A und O ist. Mangelverwaltung macht allen in der Truppe das Leben schwer – das fängt bei fehlenden Schutzwesten an und reicht bis hin zu schlecht zielenden Waffen und nicht einsatzbereiten Kampfflugzeugen. Angesichts dessen auf eine sprachliche Sonderbehandlung von Frauen zu dringen, die die Soldatinnen selbst nicht unbedingt wollen, erweckt den Eindruck, dass damit das Pferd von hinten aufgezäumt wird. Wenn statt verdienter Wertschätzung nur Wortklauberei übrig bleibt, geht der Schuss nach hinten los.

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