(Brüssel/Würzburg/Berlin) – Zur aktuellen Debatte um das neue Naturschutzgesetz in Deutschland erklärt die ÖDP-Europaabgeordnete Manuela Ripa (ÖDP – Die Naturschutzpartei):
„Die Behauptung, Wirtschaftswachstum müsse Vorrang vor dem Naturschutz haben, verkennt eine grundlegende Wahrheit: Ohne eine intakte Natur gibt es keine starke Wirtschaft. Unsere natürlichen Lebensgrundlagen sichern unsere Ernährung, sauberes Wasser, den Hochwasserschutz, den Klimaschutz und damit auch unseren Wohlstand und unsere Wettbewerbsfähigkeit.
Gerade deshalb dürfen wir nicht an den Grundfesten des Naturschutzes rütteln. Die europäischen Natur- und Umweltschutzgesetze gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte. Wer sie heute im Namen kurzfristiger wirtschaftlicher Interessen infrage stellt, gefährdet langfristig genau die Grundlagen unseres wirtschaftlichen Erfolgs.
Natürlich brauchen wir wirtschaftliche Entwicklung. Aber sie muss klug erfolgen.
Besonders kurzsichtig ist es, für den Ausbau von Autobahnen wertvolle Naturräume oder sogar Schutzgebiete zu opfern. Das ist Politik von gestern. Statt immer neue Flächen zu versiegeln, müssen wir vorhandene Potenziale besser nutzen: Sanierung und Nachverdichtung statt Neubau auf der grünen Wiese, Revitalisierung von Industriebrachen und Leerständen statt weiterer Zersiedelung sowie eine konsequente Nutzung bereits versiegelter Flächen. Flächensparen ist aktiver Natur- und Klimaschutz – und zugleich wirtschaftlich vernünftig. Hinzu kommt eine konsequente Kreislaufwirtschaft, die Ressourcen schont und Europa unabhängiger von Rohstoffimporten macht.
Deshalb brauchen wir jetzt keine Schwächung des Naturschutzes, sondern seine konsequente Stärkung. Dazu gehört insbesondere die EU-Wiederherstellungsverordnung jetzt in nationales Gesetz umzusetzen oder Verzögerung. Sie ist kein Hindernis für wirtschaftliche Entwicklung, sondern eine Investition in unsere Zukunft.
Gesunde Moore speichern große Mengen CO? und Wasser, intakte Wälder mindern Hochwasserrisiken, fruchtbare Böden sichern unsere Lebensmittelproduktion und artenreiche Ökosysteme erhöhen die Widerstandsfähigkeit unserer Wirtschaft gegenüber den Folgen des Klimawandels.
Der aktuelle Global Environment Outlook 7 des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) bestätigt diese Erkenntnisse eindrucksvoll: Investitionen in den Schutz und die Wiederherstellung der Natur schaffen langfristig Wohlstand, stärken die wirtschaftliche Resilienz, verbessern die Gesundheit und vermeiden enorme Folgekosten.
Die Wiederherstellungsverordnung ist deshalb kein Luxusprojekt, sondern eine Zukunftsversicherung für Europa. Sie hilft dabei, geschädigte Ökosysteme wiederherzustellen und damit genau die natürlichen Leistungen zu sichern, von denen unsere Landwirtschaft, unsere Unternehmen und unsere Gesellschaft jeden Tag profitieren.
Naturschutz ist keine Wachstumsbremse. Er ist die Voraussetzung für nachhaltigen Wohlstand. Wer heute den Naturschutz schwächt, spart nicht – er verschiebt die Rechnung auf kommende Generationen. Denn am Ende gilt: Ohne eine intakte Natur gibt es weder langfristigen Wohlstand noch eine wettbewerbsfähige Wirtschaft.”
