Neue Hinweise für Abschalteinrichtungen bei VW-Dieselmotor EA 288: „Report Mainz“ heute, 1.12., 21:45 Uhr im Ersten

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Bei Abgastests mit einem Golf 7 mit Dieselmotor (EA 288 / Euro 5) hat der Katalysatoren-Entwickler und Ingenieur Martin Pley neue Belege für eine Abschalteinrichtung in Form eines sogenannten „Thermofensters“ entdeckt. Ein Thermofenster bewirkt, dass die Abgasreinigung der Fahrzeuge bei bestimmten Temperaturen reduziert wird. VW hält das für legal. Im Rahmen von Gerichtsverfahren in Deutschland wurde diese Abschalteinrichtung bisher unterschiedlich bewertet. Dagegen hat die zuständige Generalanwältin des europäischen Gerichtshofes bereits Ende April dem EuGH empfohlen, diese „Thermofenster“ zu verurteilen. Der EuGH beurteilt als oberste Instanz die Einhaltung der durch EU-Verordnungen vorgegebenen Abgas-Grenzwerte. Ein Urteil hierzu liegt bisher noch nicht vor.

Abgasreinigung abhängig von Temperatur

Bei den Abgastests, die „Report Mainz“ mit der Kamera begleiten durfte, stellten die Ingenieure von Martin Pley zudem fest, dass die Stickoxid-Emissionen (NOx) auf der Straße deutlich über den Grenzwerten liegen, die auf dem Prüfstand gelten: „Wir konnten zeigen, dass wir eine temperaturabhängige Regelung der Abgasreinigung haben, was einem „Thermofenster“ entspricht“, sagte Martin Pley im Interview mit „Report Mainz“. „Und wir haben NOx-Emissionen (Stickoxide), die deutlich über dem gültigen Grenzwert liegen.“ VW bestritt auf Anfrage des ARD-Politikmagazins die Ergebnisse der Abgastests, da man „die Natur dieser Messungen nicht kenne und daher nicht kommentieren könne.“ Allerdings decken sich die Messwerte beim Golf 7 mit den Emissions-Werten, die VW in internen Dokumenten selbst vorgibt.

Kraftfahrtbundesamt widerspricht sich

Auf Anfrage von „Report Mainz“ konnte das zuständige Kraftfahrtbundesamt (KBA) nicht erklären, warum die Stickoxid-Emissionen bei den Fahrzeugen mit dem Motor EA 288 (Euro 5 / Euro 6) auf der Straße sehr hoch sind, aber auf dem Rollenprüfstand extrem niedrig. Das KBA teilte lediglich mit, man habe „keine illegale Abschalteinrichtung bei diesen Fahrzeugen“ entdeckt. Zudem verwies das KBA auf eigene Untersuchungen aus dem Jahr 2016. Diese Untersuchungen spielen auch bei zahlreichen Gerichtsverfahren zum Dieselmotor EA 288 eine entscheidende Rolle. Nach Recherchen von „Report Mainz“ gab es bei diesen Untersuchungen nicht nachvollziehbare Ergebnisse. So wurde unter anderem der VW Touareg 3.0 explizit vom Vorwurf der Manipulation freigesprochen – doch für dieses Fahrzeug gibt es seit Ende 2017 einen amtlichen Rückruf wegen einer „unerlaubten Abschalteinrichtung“.

Anwälte: Schädigung der Verbraucher

In den letzten Monaten haben nach Recherchen von „Report Mainz“ 16 Landgerichte den VW-Konzern zur Rücknahme von Fahrzeugen mit dem Motor EA 288 (Euro 5 / Euro 6) verpflichtet. Einige Verfahren laufen noch in der höheren Instanz, andere wurden mit einem außergerichtlichen Vergleich beendet. Carolyn Diepold, die für die Kanzlei Gansel-Rechtsanwälte Verfahren gegen VW führt, bewertet den Golf 7 mit EA 288 (Euro 5) kritisch: „Wir sagen, das ist eine vorsätzliche, sittenwidrige Schädigung, dass die Fahrzeuge während der normalen Fahrt dreckig sind und nur in einem Temperaturbereich, in dem Prüfstands-Messungen durchgeführt werden, um eine Typgenehmigung zu erreichen, sauber sind.“ Der Südwestrundfunk hatte im Herbst 2019 erstmals über interne VW-Dokumente zum Motor EA 288 berichtet und darin Belege für das Vorhandensein sogenannter „Zykluserkennungen“ (Abgastest) und „Abschalteinrichtungen“ entdeckt. Die Recherchen des SWR betrafen Fahrzeuge mit dem Motor EA 288, mit Euro 5 und Euro 6 Abgasnorm.

VW bestätigt Recherchen zur Abschalteinrichtung

VW-Chef Herbert Diess hatte die Berichterstattung des SWR u. a. in der TV-Sendung „Maybritt Illner“ am 12.9.2019 mit den Worten, an der Geschichte sei nichts dran, kommentiert und weiter ausgeführt: „Der Motor hat keine Abschalteinrichtung“. In der Presse wurde diese Aussage als „hartes Dementi“ interpretiert. Wie VW jetzt gegenüber „Report Mainz“ erklärte, bezog sich diese Aussage nur auf Fahrzeuge mit dem Motor EA 288 mit der Abgasnorm Euro 6 „d-Temp“. Über diese Fahrzeuge hatte der SWR jedoch nie berichtet – sondern über Fahrzeuge mit Euro 5 und Euro 6, von denen deutlich mehr auf deutschen Straßen unterwegs sind. Der Motor EA 288 ist in mehreren Millionen Dieselfahrzeugen des VW-Konzerns eingebaut. Er ist der Nachfolger des sogenannten „Skandal-Diesels“ EA 189. Den Motor EA 288 gibt es in drei verschiedenen Abgasvarianten: Euro 5, Euro 6 und Euro 6 d-Temp. Die meisten dieser Fahrzeuge haben die Abgasnorm Euro 5 und Euro 6 – weniger als 10 Prozent der Fahrzeuge erfüllen die Norm „Euro 6 d-Temp“.

Weitere exklusive Informationen auf der Internet-Seite http://x.swr.de/s/13ir

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Rückfragen bitte an die Redaktion „Report Mainz“, Tel.: 06131 929 33351/2

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