Neue OZ: Kommentar zu Europa / Finanzkrise

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Kein schwarzer Donnerstag

Seelenmassagen, Beichtstuhlgespräche und sogar Gefühl, so viel
Zuwendung durch die Kanzlerin für die Unionsvertreter im Bundestag
war nie. Angela Merkel hat in den letzten Wochen alles darangesetzt,
heute einen „schwarzen Donnerstag“ zu vermeiden und die
Euro-Skeptiker auf ihre Seite zu ziehen. Fakt ist: Wenn das Parlament
abstimmt über die Rettung des Euro, geht es auch um das
internationale Ansehen Merkels und die Zukunft der Koalition. Deren
Zustand ist so wacklig, dass nur ein überzeugendes Votum Merkel aus
der Misere helfen kann. Mittlerweile spricht beim Euro-Schirm viel
für eine absolute Mehrheit, auch Kanzlermehrheit genannt. Merkel muss
sie schaffen. Die Debatte um ihren Machtverfall ist gefährlich weit
gediehen. Die SPD nennt sie „lahme Ente“. Aber da ist der Wunsch der
Vater des Gedankens.

Allerdings: Die Kanzlerin hat in den Abgrund geschaut. Die
Treuesten wenden sich ab oder folgen nur mit geballter Faust. Merkels
„Durchregieren“, ihre Missachtung haben sie verprellt. Erst bei einem
letzten Einschwören der Unionsfraktion hat die kühle Kanzlerin
offenbar die Herzen rühren können, die Zahl der Rebellen schmolz.
Mancher Merkel-Gegner dürfte die Fahne auch eingerollt haben beim
Gedanken an die Forderung nach Neuwahlen, die Merkels Scheitern
unweigerlich folgten. Käme es dazu, müssten annähernd 100 Abgeordnete
aus Union und FDP um ihr Mandat fürchten. Ein solches Szenario
schweißt zusammen.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: 0541/310 207

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