Neue OZ: Kommentar zu Verkehr / Unfälle / Transrapid

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Sehnsucht nach Normalität

Wenn Leid die Anonymität verlässt, wird es greifbar. „Lieber Papa,
hoffentlich hast Du es bei Gott gut.“ Auf ein gebasteltes Herz hatte
Leonie ihren Wunsch einst geschrieben und am Ort des
Transrapid-Unglücks niedergelegt. 23 Menschen starben hier, zehn
wurden lebend aus den Trümmern gerettet, am 22. September 2006.

Es war ein schwarzer Tag für das Emsland: überall Tränen und
Trauer und dann die quälende Frage nach dem Warum. Schuld war eher
der Mensch, weniger die Technik. Auf diese Antwort mussten sie in
Lathen lange warten. Fünf Jahre sind nun vergangen, Urteile wurden
gesprochen, und zuweilen schwebt sogar der Transrapid wieder über die
Strecke, das Ende des Projekts scheint dennoch besiegelt. Ein
weiterer Schlag für die Samtgemeinde, in der viele ihren
Lebensunterhalt mit dem Transrapid verdienten.

Das Unglück hat das Leben vieler Emsländer beeinflusst, auch das
der Helfer, schreckliche Bilder mussten sie verarbeiten. Heute werden
sie alle wieder daran erinnert, dabei ist die Sehnsucht nach
Normalität doch so groß. Die Wunden wieder aufreißen will niemand. Zu
mühsam vernarben sie noch immer. Geholfen hat vielen die
Gemeinschaft: Die Menschen rückten in ihrer Trauer zusammen, und sie
schirmten sich ab. Wohl die beste Strategie. Kein Hinterbliebener ist
je öffentlich groß aufgetreten. Auch Leonie hat kein Gesicht, aber
ihr Herz hat viele Menschen bewegt.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: 0541/310 207

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