Neue Westfälische (Bielefeld): Ex-Innenminister Gerhart Baum (FDP): Gefahr von rechts in Deutschland immer unterschätzt

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Vor dem Hintergrund des mutmaßlich
rechtstrroristischen Mordes an dem Kasseler Regierungspräsidenten
Walter Lübcke hat der frühere Bundesinnnenminister Gerhart Baum (86,
FDP) dazu aufgerufen, sich der Bedrohung von rechts in Deutschland
endlich bewusst zu werden.

Im einem Interview mit der in Bielefeld erscheinenden Neuen
Westfälischen (Montagausgabe) sagte Baum, die rechtsextremistische
Gefahr sei in Deutschland immer unterschätzt worden. „Wir haben seit
den siebziger Jahren festgestellt, dass es neo-nazistische
Kampfgruppen in unserem Land gibt“, sagte Baum und nannte als
Beispiel die Wehrsportgruppe Hoffmann, die den Hintergrund für den
Täter des bis „dato schwerstwiegenden rechtsterroristischen Angriffs
in der Bundesrepublik, den Bombenanschlag auf das Münchner
Oktoberfest 1980″ gebildet habe.

Baum, der als parlamentarischer Staatssekretär und später als
Innenminister des zweiten Kabinetts von Kanzler Helmut Schmidt die
Bedrohung durch den Linksterror der Rote Armee Fraktion (RAF) Ende
der siebziger Jahre miterlebte, weiter: „Wir haben also während der
RAF-Bedrohung auch immer rechtsextremistische Gewalttaten gehabt, die
aber in der Öffentlichkeit keine Rolle gespielt haben. Der Feind
stand im öffentlichen Bewusstsein links, und nicht rechts.“
Rechtextremistische Morde in den achtziger und neunziger Jahren
hätten eine hohe Zahl von Opfern gefordert, wie man heute wisse,
dennoch sei dies nicht ins öffentliche Bewusstsein gedrungen.

Im Umgang mit der zunehmenden Akzeptanz rechtspopulistischer und
rechtsradikaler Positionen besonders in den ostdeutschen
Bundesländern empfahl Baum den demokratischen Parteien: „Sich nicht
selbst zu verleugnen, sich selber treu zu bleiben. Und auf die
Menschen zuzugehen, die Fragen haben und unsicher sind. Aber nicht
durch Anpassung, nicht durch das Heranschleichen an die
Fehleinschätzungen und Fehlurteile der AfD. Klare Distanz dazu, aber
wirkliche Offenheit für die Fragen, die die Menschen haben, für die
Unsicherheit, die Angst, die Einsamkeit vieler Menschen.“

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
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