Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Kinderarmut in Deutschland Abseits des Aufschwungs Florian Pfitzner, Düsseldorf

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Es handelt sich schon fast um eine Binse,
trotzdem scheint die häufig aufgeführte Weisheit bislang nur selten
durchzudringen: Gibt man finanziell benachteiligten Kindern
frühzeitig eine faire Chance, schaut man außerdem genau hin, wie sie
in ihren Familien aufwachsen und zeigt ihnen zusätzlich integrative
Bildungsangebote auf, zahlt sich das eines Tages aus. Natürlich kaum
in nur einer Legislaturperiode, ziemlich gewiss aber über eine
Generation gesehen. In Deutschland lebt jedes fünfte Kind von
staatlichen Transferleistungen, also in einer armen Familie. Als arm
gelten Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des
sogenannten bedarfsgewichteten mittleren Nettoeinkommens beträgt. Je
nach Studie gilt in NRW jedes vierte bis fünfte Kind als arm. Der
wirtschaftliche Aufschwung ist kühl und hart an diesen Jungen und
Mädchen vorbeigezogen. Oft bleiben ihnen selbst die einfachsten
Wünsche verwehrt. Man darf darin ruhig eine Schande sehen. Sogar die
FDP hat das inzwischen erkannt und hat deshalb einen – zumindest für
den Anfang – ganz vernünftigen Vorschlag gemacht. Über ein
„Kindergeld 2.0“ wirbt sie für Bildungszugänge und
Chancengerechtigkeit; Kinder in Deutschland sollen mit den gleichen
Ansprüchen leben. Wenn bei Normalverdienern schon ab dem zweiten Kind
das Risiko steigt, Sozialleistungen beantragen zu müssen, läuft etwas
gewaltig schief. Insofern sollten die politischen Konzepte, die
derzeit auf dem Tisch liegen, auf eines hinauslaufen: eine
Kindergrundsicherung.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
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