Neue Westfälische (Bielefeld): Trump, „Irma“ und der Klimawandel Gefährliche Ignoranz Dirk Hautkapp, Washington

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Zwei katastrophale Wetter-Ereignisse im
Jahrhundertformat haben die USA in kurzer Folge gebeutelt – und der
Präsident nimmt das Wort Klimawandel nicht einmal in den Mund. Wo
Vorgänger Obama kategorisch feststellte, dass die zunehmende
Erderwärmung die „größte Gefahr für kommende Generationen ist“ und
eine entsprechend ambitionierte Umweltpolitik verfolgte, bleibt Trump
stumm.  Ob Hurrikan „Harvey“ in Texas oder jetzt „Irma“ in Florida –
Trump verhält sich wie ein staunender Katastrophentourist vor einem
gottgegebenen Ereignis. Und inszeniert demonstrativ kollektive Gebete
für die Menschen in Florida. Dass Amerika keinen pathetischen
Zuspruch braucht, sondern intelligente Konzepte, wie der
Wiederholungsfall verhindert oder zumindest abgemildert werden kann,
ist im Weißen Haus nicht angekommen.  Denn bei ernstzunehmenden
Experten gilt es – bei allen offenen Fragen – als belastbare These:
Je höher die Wassertemperatur der Ozeane, je höher der Meeresspiegel,
desto heftiger die Intensität der Winde und Niederschläge eines
Hurrikans, desto gewaltiger seine Zerstörungskraft. Einfacher gesagt:
Der Klimawandel produziert Stürme wie „Irma“ nicht. Aber er verstärkt
ihre Auswirkungen.  Darüber muss man als Präsident reden, wenn man
seinem Amtseid gerecht werden will. Im Übrigen auch darüber, ob der
Wiederaufbau in küstennahen Gebieten, die absehbar wieder Opfer der
Naturgewalten werden, volkswirtschaftlich überhaupt noch vertretbar
ist. Aber auch auf diesem Auge ist Trump blind. Er umgibt sich – von
der Umweltbehörde EPA bis tief hinein in sein Kabinett – mit Leuten,
die den über Jahre weltweit mühsam geformten wissenschaftlichen
Konsens über den von Menschen mitverursachten Klimawandel für ein
Schauermärchen halten. Profiteure dieser Ignoranz sind die wenigen
Pseudo-Wissenschaftler, Klimaskeptiker und publizistischen
Scharlatane wie Rush Limbaugh oder Alex Jones, die nach jedem
extremen Wetter-Ereignis abwiegeln und mit kruden
Verschwörungstheorien aufwarten. Trump fühlt sich ihnen tief
verbunden. Wie lange noch?  Der Präsident und seine halbherzig
folgenden Republikaner mögen weiter hartnäckig die Wissenschaft
leugnen. Mit den gigantischen Folgekosten, die allein Harvey und Irma
hinterlassen (die Schätzungen gehen im schlimmsten Fall von fast
1.000 Milliarden Dollar aus), wird ihnen das nicht gelingen. Am Ende
wird der politische Kulturkampf um den Klimawandel übers Portemonnaie
entschieden.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
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