Neue Westfälische (Bielefeld): Völkermord an den Armeniern¶ Eiertanz¶ alexandra jacobson, berlin¶

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Die Koalitionsfraktionen im Bundestag haben sich
gegen die Bundesregierung durchgesetzt: In einer Resolution zum
100-jährigen Jahrestag der Ermordung von Armeniern im osmanischen
Reich wird der Begriff „Völkermord“ auftauchen. Dagegen hatte sich
vor allem das Auswärtige Amt mit aller Macht gewehrt. Darf man der
Türkei den Begriff Völkermord zumuten? Natürlich darf man das. Papst
Franziskus hat das mit begrüßenswerter Klarheit getan. Dass der
türkische Staatspräsident den Papst daraufhin beschimpfte, hat das
Oberhaupt der katholischen Kirche ausgehalten. Auch die deutsche
Politik wird es aushalten, wenn Erdogan das Benennen der Wahrheit als
antitürkischen Akt interpretieren wird, was es natürlich nicht ist.
Gerade Deutschland hat allen Grund, sich an die historischen
Realitäten zu halten, denn Deutschland war im Ersten Weltkrieg der
wichtigste Bündnispartner des Osmanischen Reichs. Damals wusste man
in Berlin von der Vernichtung der Armenier und hat sie
stillschweigend geduldet. Die Türkei bleibt weiterhin ein wichtiger
NATO-Partner. Aber in der NATO sind auch Frankreich und die USA, und
die nennen die Ermordung von mehr als einer Million Armeniern auch
Völkermord. Ebenso wie das EU-Parlament. Dass es hierzulande zu so
einem Eiertanz kam, ist keine Großtat der deutschen Außenpolitik.
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