Neue Westfälische (Bielefeld): Weihnachten 2018 Besinnung und Aufbruch Thomas Seim

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Die Zeit der Besinnung ist da. Wir haben lange
darauf gewartet, gerade in diesem Jahr. Nun liegen ein paar Tage
zwischen den Jahren vor uns, die Zeit und Muße geben, sich den
Nächsten zuzuwenden, zurück und nach vorn zu schauen und zu sich
selbst zu finden. Besinnung ist auch dringend erforderlich. Hinter
uns liegt keine wirklich gute und schon gar keine ruhige Zeit. Viele
Fragen sind ohne Antworten geblieben. Wenige Ideen begründen schon
jetzt einen Ausblick der Ruhe für 2019. Die Welt insgesamt ist
unruhig, unberechenbarer geworden. Wir fühlen uns nicht mehr richtig
sicher. Dazu haben internationale Zuspitzungen seit der Wahl Donald
Trumps zum US-Präsidenten ebenso beigetragen wie die Unsicherheiten
zum Fortbestand der Europäischen Union nach dem Brexit. Viele
Bürgerinnen und Bürger, aber leider auch viele verantwortliche
Politiker und Entscheider reagieren auf diese Unsicherheit mit
schnellen Lösungen und Antworten. Immer stärker scheint der Drang zu
werden, mit Verboten oder Einschränkungen allen Problemen zu
begegnen, ihrer Herr zu werden. Fahrverbote in den Innenstädten wegen
Luftverschmutzungen sind solch ein Thema. Tempo 120 auf Autobahnen
ein weiteres. Das Verbot von Einweg-Plastik, Silvesterfeuerwerken,
Kopftüchern für Kinder – alles diskutieren wir derzeit sehr schnell
mit einem Verbot als Lösung. Viele dieser Verbote sind durchaus
sinnvoll und deshalb anzustreben. Aber die Tatsache, dass man sie
vermehrt braucht, deutet nicht auf eine Aufklärung, die die
Bürgerinnen und Bürger als Souverän behandelt und in die Lage
versetzt, angemessen und besonnen zu entscheiden und zu handeln. Eine
Verbotskultur zeigt die Schwäche demokratischer Energie, ein
konstruktiver Streit ihre Stärke. Wir leben außerdem nicht in einer
Zeit der letzten Gewissheiten. Wir leben in einer Zeit des
Generationenwechsels. Daraus und aus den Beobachtungen des Verhaltens
jüngerer Menschen könnte man in gewisser Weise ableiten, dass die
nächste Generation ein verändertes Konsumverhalten zeigt: Weniger
Individualverkehr, mehr Carsharing, kleinere Wohnungen, mehr Miete,
weniger Eigenheim, günstiger Urlaub. Das alles kann aus verändertem
Bewusstsein abgeleitet sein. Es könnte aber auch der Tribut sein an
bescheidenere Lebensverhältnisse. Denn erstmals wächst eine
Generation nach, die über weniger Mittel verfügt als deren Eltern. Es
gibt Hinweise, dass auch diese Generation gern wohlhabender mit
eigenem Auto fahren und in eigenen vier Wänden leben würde, es aber
mangels Mitteln nicht kann. Sie darf sicher auf ihre Elterngeneration
– gerade zum Fest – bauen, aber das kann nicht die befriedigende
Antwort einer demokratischen, wohlhabenden Gesellschaft an ihre
Zukunft sein. Gerechtigkeit, Sicherheit und Souveränität gegen
Mangel, Sorge und Verbotskultur – das beschreibt die Herausforderung
eines Aufbruchs an uns alle. Jetzt und im kommenden Jahr. Ich wünsche
Ihnen zum Fest die Zeit und die Muße, dafür Antworten zu finden.
Frohe Weihnachten!

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
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