NOZ: Lehrerverband warnt: Wir steuern beim Abitur auf die Hundert-Prozent-Quote zu

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„Wegen lauter Spitzennoten wirklich gute
Leistungen nicht erkennbar“ – Meidinger: Die Schulminister machen,
was sie wollen

Osnabrück. Der Deutsche Lehrerverband hat dringend davor gewarnt,
beim Abitur die Leistungsmaßstäbe ständig nach unten zu verschieben.
„Die Wirtschaft und die Universitäten bekommen ein massives Problem,
wenn die Abiturientenquote in Deutschland letztlich auf die
Hundert-Prozent-Quote zusteuert“, sagte Verbandschef Heinz-Peter
Meidinger der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Er gönne jedem
Abiturienten gute Noten. „Aber es kann doch nicht sein, dass hinter
den Zensuren keine realen Leistungen mehr stehen und vor lauter
Spitzennoten die wirklich guten Abiturienten gar nicht mehr erkennbar
sind“, warnte der Leiter eines bayerischen Gymnasiums. Das soziale
Versprechen des Gymnasiums lautet nach seinen Worten „Aufstieg durch
Leistung“. Er rief dazu auf, den Leistungsgedanken nicht weiter
auszuhöhlen.

Der Lehrerverband hält es außerdem für einen „unhaltbaren
Zustand“, dass jedes Bundesland „beim Abitur macht, was es will“.
Meidinger sagte der „NOZ“, er sehe Deutschland auf dem Weg zu
generellen Hochschuleingangsprüfungen wie im angelsächsischen Raum,
wenn es die Schulminister „nicht endlich hinkriegen, ein in allen
Bundesländern vergleichbares, qualitativ anspruchsvolles Abitur zu
gestalten“. Es sei absolut inakzeptabel, dass Schüler im einen
Bundesland in Mathe eine schriftliche Abiturprüfung schreiben
müssten, im anderen könnten sie Mathe im Abitur „komplett
umschiffen“. In einigen Bundesländern gebe es noch ein
Leistungskursabitur, in anderen nicht mehr. „Das ist ein Witz, wenn
man bedenkt, dass die Abiturienten aus allen Bundesländern mit ihren
auf völlig unterschiedliche Weise zustande gekommenen Noten um die
gleichen Studienplätze konkurrieren“, erklärte der Verbandschef.

Zuvor war bekannt geworden, dass in Deutschland in den vergangenen
zehn Jahren der Anteil der Einser-Abiturienten in 15 von 16
Bundesländern wuchs. 2018 hatte mehr als jeder vierte (25,8 Prozent)
einen Notenschnitt von mindestens 1,9. Dagegen hatte 2008 nur jeder
fünfte Schulabsolvent (20,2 Prozent) diesen Wert erreicht.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

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