Rheinische Post: Hass in der Türkei Von Matthias Beermann

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Zwei Linksextremisten nehmen in Istanbul einen
Staatsanwalt als Geisel. Alle drei sterben, als die Polizei den
Justizpalast stürmt. Ihr Opfer hatten die beiden Täter ausgesucht,
weil der Jurist für die Ermittlungen im Todesfall von Berkin Elvan
zuständig ist, eines 15-jährigen Jungen, der zum Symbol der
Polizeigewalt in der Türkei geworden ist. Im Sommer 2013 war Berkin
während der Gezi-Proteste beim Weg zum Bäcker von einer
Tränengaskartusche der Polizei am Kopf getroffen worden. Einige
Monate später starb er. Die Verantwortlichen wurden bis heute nicht
zur Rechenschaft gezogen. Der Fall spaltet die Türkei. Für die einen
ist Berkin Elvan ein Held, für die anderen ein Terrorist, der sein
Schicksal verdient hat. So denkt auch Präsident Recep Tayyip Erdogan,
der eifrig Öl ins Feuer gießt. Gegner geißelt er als
Vaterlandsverräter, Kritiker lässt er von der Justiz drangsalieren.
Das Klima in der Türkei ist wenige Wochen vor der Parlamentswahl im
Juni von Hass geprägt, und maßvolle Stimmen sind kaum zu hören. Schon
ist es zu neuen Gewaltakten gekommen. Es werden nicht die letzten
sein.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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