Rheinische Post: Kommentar: Erdogans Abenteuer

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Wenn die Türken in diesen Tagen ihre
Fernsehgeräte einschalten, müssen sie den Eindruck bekommen, dass
alles zum Besten steht mit der zynisch „Olivenzweig“ getauften
Offensive gegen die Kurden im Norden Syriens. Doch die patriotisch
aufgeladenen Berichte über einen Vormarsch der türkischen Truppen
sind pure Propaganda. In Wirklichkeit stockt die Operation, die
Verluste steigen. Offenbar haben die türkischen Strategen den Gegner
unterschätzt. Es droht ein Debakel, zumal jetzt auch noch
Assad-Kämpfer auftauchen. Präsident Erdogan wollte mit dem Einmarsch
die Bildung eines Kurdenstaats verhindern und sich zugleich beim
Feilschen um die Nachkriegsordnung in Syrien ein Mitspracherecht
sichern. Dass der Feldzug die Türken zuverlässig in nationalistische
Aufwallung versetzen würde, dürfte mit Blick auf die Wahlen ein gern
gesehener Nebeneffekt sein. Aber der Preis für das Abenteuer ist
unkalkulierbar: Erdogan verwickelt sein Land immer tiefer in den
syrischen Krieg, er riskiert den Bruch mit den USA und ist auf
Russlands Gunst angewiesen. Arme Türkei.

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