Rheinische Post: Kommentar / Türkei auf dem Irrweg = Von Helmut Michelis

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Angeblich zeigen die Luftangriffe auf die
Terrormiliz „Islamischer Staat“ Wirkung: Kurdische Kämpfer hätten
Teile der Stadt Kobane zurückerobert, hieß es gestern. Das klingt
nach Zweckoptimismus einer ratlosen Antiterror-Allianz. Denn solange
die Türkei, einen eigenen Kurdenstaat noch mehr fürchtend als die
Machtgelüste der aggressiven Islamisten, ihre Grenze zu Syrien
geschlossen hält, stehen die Kurden dort auf verlorenem Posten.
Selbst wenn sie Kobane verteidigen – der unheimliche IS wäre damit
nicht gestoppt. Durch ihre Verweigerungshaltung schadet sich die
türkische Regierung selbst: Sie verspielt alle Fortschritte im
Friedensprozess mit den Kurden und bringt nun auch die gemäßigten
Kräfte gegen sich auf. Letztlich wird Ankara dem Druck vor allem aus
den USA nachgeben müssen: Es wird seine Flugplätze der
Antiterror-Allianz öffnen und, möglicherweise verdeckt, die
Versorgung der Kurden in Kobane über die Grenze zulassen. Das könnte
aber nicht nur für die Menschen in der belagerten Stadt, sondern auch
für den inneren Frieden der Türkei zu spät kommen.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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