Schwäbische Zeitung: Leitartikel zur Palliativmedizin: „Initiative greift zu kurz“

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Die Richtung stimmt. Wer verhindern will, dass
todkranke Menschen sich in die Hände von zweifelhaften
Sterbehilfe-Organisationen begeben, der muss Sterbende besser
betreuen. Die Bundesregierung will jetzt mit zusätzlichen 200
Millionen Euro sicherstellen, dass sich niemand wegen Schmerzen oder
Ängsten für einen tödlichen Medikamenten-Cocktail etwa beim Schweizer
Nachbarn entscheidet. Flächendeckend sollen sogenannte
Palliativmediziner die Patienten während ihrer letzten Lebensmonate
oder -wochen betreuen, stationär oder auch zu Hause soll das möglich
werden. Insbesondere im ländlichen Raum ist das eine große
Herausforderung.

Der Wunsch nach mehr Hospizen, in denen Würde und Geborgenheit von
moderner Schmerzmedizin begleitet werden, ist landauf, landab immer
häufiger zu vernehmen. Immer mehr Menschen wollen zu Hause sterben,
doch nur 30 Prozent schaffen das. Dieser Prozentsatz könnte sich
deutlich erhöhen, wenn die ambulante Versorgung – sei es medizinisch,
sei es psychologisch – klar verbessert würde. Dazu gehört aber auch
eine Informationspolitik, mit deren Hilfe überhaupt bekannt wird, was
grundsätzlich möglich ist. Für die Kranken wie für die Angehörigen
wäre das ein Segen.

Doch alle diese Ziele kosten Geld. Fachleute bezweifeln, dass die
nun avisierten 200 Millionen Euro in Summe für die gewollten
Fortschritte ausreichen. Deshalb greift die Initiative von
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zu kurz. Es ist kaum
verständlich, dass sich der Entwurf der Bundesregierung über die
Berechnungen der Diakonie und der Caritas einfach hinwegsetzt. Beide
beziffern die Kosten auf mindestens doppelt so hoch.

Im Bundestag wird noch in diesem Jahr über die Regelung der
aktiven Sterbehilfe gestritten. Wer den organisierten Todesengeln das
Handwerk legen will, wer auch einen ärztlich assistierten Suizid
ablehnt, der muss glaubwürdig darlegen können, dass eine
professionelle Schmerzlinderung für alle Menschen im gesamten Land
möglich ist.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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