Versorgungsstrukturen: Noch immer keine Lösung? / Umfrage: Die meisten deutschen Ärzte halten das neue Gesetz für fragwürdig

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Nach langen Diskussionen hat das Bundeskabinett im
August das Versorgungsstrukturgesetz beschlossen, das die ärztliche
Versorgung in strukturschwachen Gebieten verbessern soll.
Deutschlands Mediziner sehen das neue Gesetz jedoch skeptisch: Jeder
zweite (49,5 Prozent) bezweifelt, dass es dem gefürchteten
Ärztemangel entgegenwirkt. Acht von zehn Ärzten (81,6 Prozent)
versprechen sich von der neuen Regelung keinerlei Vorteile. So das
Ergebnis des aktuellen CGM-GesundheitsMONITORs.

Eine –wohnortnahe medizinische Versorgung für alle Bürgerinnen und
Bürger, auch in ländlichen, unterversorgten Gebieten– – das sind
Schlagworte, die die Gesundheitspolitik in letzter Zeit dominieren.
Wurde eine entsprechende Gesetzesvorlage schon unter
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler heiß diskutiert, so hat sein
Nachfolger Daniel Bahr das umstrittene Vorhaben vergangenen Monat
verabschiedet. Doch obwohl das Versorgungsstrukturgesetz Medizinern
helfen soll, bleibt der erhoffte Jubel seitens der Ärzteschaft aus.

Ärzte von neuem Gesetz nicht überzeugt

Wie kann die ambulante ärztliche Versorgung bundesweit
sichergestellt werden? Der Beschluss sieht ein ganzes Bündel von
Maßnahmen vor, um mehr Ärzte aufs Land zu locken: Anreize im bislang
starren Vergütungssystem, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und
Beruf und flexiblere Möglichkeiten der Zusammenarbeit von
Krankenhausärzten und niedergelassenen Medizinern. Doch trotz der
viel versprechenden Formulierungen des Gesetzestextes erwarten nur
wenige deutsche Ärzte konkrete Vorteile für ihren Praxisalltag.
Immerhin erhofft sich gut jeder zehnte Arzt (11,4 Prozent) die viel
propagierte bessere Patientenversorgung. Mit einer Stärkung des
Arztberufs rechnen lediglich 4,1 Prozent, und auf weniger Bürokratie
setzen verschwindende 2,7 Prozent. Jeder achte Arzt (81,6 Prozent)
verspricht sich vom Gesetz keinen Nutzen in diesen Punkten.

Ärztemangel trotz Geldspritzen?

Insbesondere das Vorhaben, Ärzte mit monetären Versprechungen aufs
Land zu holen, hat heftige politische Kontroversen ausgelöst. So
hatte zum Beispiel Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)
aufgeworfen, dass unkalkulierbare Mehrkosten entstünden. Auch die
deutschen Ärzte sind sich uneinig, ob Geld ein sinnvoller Köder ist,
um Mediziner für die Arbeit auf dem Land zu motivieren. Die eine
Hälfte (50,7 Prozent) begrüßt diesen Ansatz, die andere (48,9
Prozent) ist der gegenteiligen Auffassung.

Jeder zweite Mediziner (49,5 Prozent) geht davon aus, dass das
Versorgungsstrukturgesetz trotz Lockangeboten dem drohenden
Ärztemangel nicht entgegenwirken wird und lehnt das Gesetz ab. Nur
jeder zehnte Arzt (10,5 Prozent) findet die Neuregelungen gut und
glaubt, dass sich damit die medizinische Versorgung in allen Regionen
Deutschlands gewährleisten lässt. Ein Drittel der Befragten (36,1
Prozent) hat sich noch keine abschließende Meinung gebildet.

Rösler oder Bahr macht keinen Unterschied

Das Versorgungsstrukturgesetz ist das erste große Gesetzeswerk von
Daniel Bahr. Doch scheint es die deutschen Ärzte wenig zu
beeindrucken, mit welch großen Worten sich der junge
Rösler-Nachfolger dafür eingesetzt hat: Nur jeder zehnte Mediziner
(10,7 Prozent) fand ihn überzeugend. Fast ein Drittel (31,4 Prozent)
vertritt die Ansicht, dass Daniel Bahr bei dem Gesetzesvorhaben keine
gute Figur abgegeben hat. Die Hälfte der Befragten (49,5 Prozent)
sieht im Auftritt von Bahr keinen Unterschied zu seinen Vorgängern.

Der CGM GesundheitsMONITOR:

Der CGM GesundheitsMONITOR ist eine gemeinsame Initiative der
CompuGroup Medical, der Medical Tribune sowie der Rhein-Zeitung.
Monatlich werden repräsentative Umfragen unter 440
Allgemeinmedizinern, Internisten, Gynäkologen und Pädiatern zu
aktuellen Fragestellungen im Gesundheitssystem durchgeführt. Grafiken
zum Download und kostenlosem Abdruck, Veröffentlichung sowie
Informationen zur repräsentativen Umfrage finden Sie unter
www.cgm-gesundheitsmonitor.de

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