WAZ: Die Angst vor dem Bösen. Kommentar von Dirk Hautkapp

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Mögen die Hintergründe des schlimmsten
Sprengstoff-Attentats auf amerikanischem Boden seit über zehn Jahren
noch im Dunkeln liegen – die erneute Verwundung der kollektiven
Psyche des seit dem 11. September 2001 traumatisierten Landes wird
gravierende Folgen haben. Blutverschmierte Kindergesichter und zu
Krüppeln gebombte Sport-Fans vergisst das nationale Gedächtnis nicht.
Amerika hat nach den Attentaten islamistischer Fanatiker in New York
und Washington zivilgesellschaftlich einen hohen Preis gezahlt. Zur
Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung, zur Beruhigung der
Volksseele wurde in einem bis dahin nicht gekannten Maße individuelle
Freiheit geopfert. Das „Land der Freien und Mutigen“ wurde zur
Festung. Vor und hinter den Mauern regieren bis heute Misstrauen und
bisweilen sogar Paranoia. Der Überwachungsstaat expandiert. Die
Kollateralschäden des Anschlags auf das denkbar weichste Ziel – eine
nicht einzäunbare Sport-Massenveranstaltung unter freiem Himmel –
werden bis in die Tagespolitik reichen. Die Reform des
Einwanderungsrechts und Verschärfungen des Waffenrechts verlieren
ihre Dringlichkeit. Die Angst vor dem Bösen absorbiert alle Kräfte.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
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