WAZ: Es liegt nicht allein am Zölibat – Kommentar von Walter Bau zur Priester-Studie

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Der Zölibat steht in unserer Gesellschaft symbolhaft
für die vermeintliche Rückständigkeit der katholischen Kirche. Dass
der Vatikan an der Ehelosigkeit der Priester festhält, gilt vielen
als Beweis für seine blinde Verstocktheit. Dies mag so sehen, wer
will. Wer jedoch das sinkende Interesse am Priesterberuf vor allem
dem Zölibat zuschreibt, der liegt falsch.

In einer Gesellschaft, in der die religiöse Bindung des Einzelnen
eine immer kleinere Rolle spielt und in der die Kirche
dementsprechend einen dramatischen Verlust an Einfluss erlebt, ist es
geradezu unausweichlich, dass auch das Interesse sinkt, sich als
Geistlicher dem Glauben und der Seelsorge zu verschreiben. Läge es in
erster Linie am Zölibat, müsste ja in der evangelischen Kirche, deren
Pfarrer und Pfarrerinnen heiraten dürfen, die Lage besser sein –
stattdessen vermelden die Protestanten den gleichen Negativtrend beim
Nachwuchs.

Trotzdem: Die neue Priesterstudie wird den Druck auf die
katholische Kirche, den Zölibat zu streichen, erhöhen. Eine Kirche,
die die Menschen überzeugen will, braucht überzeugende Geistliche –
und keine, die an ihrem Amt (ver)zweifeln.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
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