Westdeutsche Zeitung: Kommentar zur Türkei

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Von Ulli Tückmantel

Dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan als Politiker
eher ein lästiger Alliierter als ein geschätzter Verbündeter ist,
würden alle internationalen Partner der Türkei wohl unterschreiben.
Mit den Luftangriffen auf Stellungen der verbotenen kurdischen
Arbeiterpartei PKK im eigenen Land wird der zur Selbstherrlichkeit
neigende Präsident nun zur Belastung für die Nato-Partner. Erdogan,
der sich heillos in unrealistische Großmacht-Pläne verstrickt hat,
bringt mit seiner engstirnigen und kurzsichtigen Politik jetzt sein
eigenes Land in Gefahr. Denn die Luftangriffe bedrohen im Inneren der
Türkei den Friedensprozess mit der PKK. Nach 30 Jahren Krieg wurde
zuletzt immerhin anderthalb Jahre (fast) nicht geschossen. Dass
Erdogans Panzersoldaten an der syrischen Grenze dem kurdischen
Sterben in Kobane zusehen, während die türkische Luftwaffe Kurden im
eigenen Land angreift, könnte in der Türkei eine neue Spirale der
Gewalt entfachen. Gleichzeitig ist die Türkei für die US-geführte
Koalition gegen die Terror-Armee des IS unverändert ein Totalausfall.
Weil Erdogan fürchtet, die syrischen Kurden und die PKK könnten sich
nach einem Sieg über den IS verbünden, sieht er lieber der
mörderischen Vernichtung Kobanes zu. Er erlaubt dem Nato-Partner USA
noch immer nicht, die türkischen US-Basen für Luft-Operationen in
Syrien zu nutzen. Dahinter steckt die Furcht, die Angriffe auf den IS
könnten gleichzeitig das Assad-Regime stützen, das Erdogan auf jeden
Fall beseitigt sehen will. Genau dieses Fass wollen weder die USA
noch einer ihrer Verbündeten derzeit wieder aufmachen, um Assad nicht
noch mehr Unterstützung von seinen Verbündeten Iran und Russland
zukommen zu lassen. Das vielleicht Verrückteste ist, dass Erdogan
sich zwar von den Kurden, aber nicht von den IS-Terroristen vor
seiner Haustür bedroht fühlt. Viel verzwickter könnte die Situation
nicht sein. Dass die türkische Staatsführung ausgerechnet jetzt eine
neue Eskalation ihrer inneren Probleme in Kauf nimmt, macht die Lage
noch unübersichtlicher. Erdogan tut nichts, um das Chaos einzudämmen,
er macht es nur noch schlimmer.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
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