Westdeutsche Zeitung: Leitartikel: Stellvertreterkrieg an Rhein und Wupper

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Die Warnung des inhaftierten PKK-Chefs Abdullah
Öcalan lässt wenig Raum für Interpretationen: Sollte die kurdische
Stadt Kobane von der Terrormiliz IS erobert werden und das türkische
Militär dabei tatenlos zusehen, ist es vorbei mit dem
Friedensprozess. Seit zwei Jahren nähern Ankara und die kurdische
Arbeiterpartei, die in der Türkei, der EU und den USA als
Terrororganisation gilt, sich an – in der vagen Hoffnung, den drei
Jahrzehnte andauernden Konflikt endlich zu beenden. Damit scheint es
nach den jüngsten Kurden-Demonstrationen mit Toten, Verletzten und
brennenden Barrikaden wohl vorbei zu sein. Eine Entwicklung, die der
türkische Staatspräsident Erdogan mindestens einkalkuliert, wenn
nicht sogar befördert hat. Politisches Interesse, gegen den IS zu
kämpfen, hat Ankara nicht – weder für die US-geführte Allianz und
schon gar nicht aufseiten der syrischen Kurden. Den Freibrief des
türkischen Parlaments für den sogenannten Anti-Terrorkampf
interpretiert Erdogan nach eigenem Gusto: Hauptgegner für den
islamisch-konservativen Politiker sind zuerst das Assad-Regime in
Syrien und die PKK vor der eigenen Haustür. Solange sich die
kurdischen Volksbefreiungseinheiten (YPG), die Kobane gegen die
Islamisten verteidigen, nicht öffentlich von der befreundeten und
politisch eng verwandten PKK distanzieren, schaut Erdogan eben zu.
Sekundiert von den Europäern, die es sich mit dem starken Mann aus
Ankara nicht verscherzen wollen. Waffen gibt es folglich nur für die
Peschmerga, die Kämpfer der prowestlich orientierten Region im
Nordirak. Gute Kurden, schlechte Kurden – es ist ein Trauerspiel.
Eines mit möglichen Folgen auch für Nordrhein-Westfalen. Nämlich
dann, wenn die bisher weitgehend friedlich verlaufenen Kurden-Demos
in Gewalt umschlagen oder – wie in Celle und Hamburg – Kurden oder
Jesiden und radikale Moslems aufeinander losgehen. Potenzial für
einen Stellvertreterkrieg zwischen Rhein und Wupper gibt es, wenn man
den Zahlen des Innenministeriums glaubt. 1800 gewaltbereite
Salafisten sollen sich in NRW tummeln. Am Samstag wollen Tausende
Kurden in Düsseldorf für Solidarität mit Kobane auf die Straße gehen.
Hoffentlich bleibt es friedlich.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
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