Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Facebook

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Unterstellen wir einmal, dass Mark Zuckerberg
Facebook vor 15 Jahren gegründet hat, um die Menschen miteinander zu
verbinden und Geld zu verdienen. Die Welt sollte besser und die
Demokratie gestärkt werden. Problematisch wird es aber, wenn durch
Facebook das krasse Gegenteil eingetreten ist. Vermutlich hatte
Zuckerberg nicht die Absicht, mit seiner Plattform einmal mit dafür
verantwortlich gemacht zu werden, dass die Welt zunehmend vergiftet
und verroht wird und der soziale Frieden längst gestört ist. Der
Fall Tönnies, der Mord an Walter Lübcke oder Angela Merkels
Gesundheit sind nur drei Beispiele der jüngsten Vergangenheit, bei
denen Zuckerbergs Meinungsmaschine das schlimmste Niveau der
Kommunikation zwischen Menschen erreicht hat. Da verflucht eine
AfD-Politikerin Angela Merkels Geburt und bekommt vom AfD-Chef
Meuthen später im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sogar noch
Zuspruch. Da wird die Hinrichtung Walter Lübckes begeistert gefeiert
und zu weiteren Morden an Politikern aufgerufen. Und Unternehmer
Clemens Tönnies wird beschimpft, sich als Schalke-Boss schnell »zu
verpissen«. Der Facebook-Effekt kennt kein Tabu. Da wird unter
Klarnamen gepöbelt und beleidigt, gehetzt und verletzt, was das Zeug
hält. Die Plattform ist wie ein Verstärker für Emotionen, für
Meinung, für politische Ideen, für alles. Falsche Nachrichten werden
bewusst und gezielt verbreitet. Angst und Wut bringen die Menschen
dazu, Autokraten zu unterstützen. Selbst Wahlen, Kriege oder starke
Themen wie die Flüchtlingsdebatte oder der Tod eines Jungen am
Frankfurter Bahnhof werden über Facebook benutzt, beeinflusst und
manipuliert. Ob sich daran etwas ändern wird, wenn Facebook einen
eigenen Nachrichtenbereich mit lizenzierten Medien startet, muss
bezweifelt werden. Das ist nur der Versuch, Facebook seriös
erscheinen zu lassen. Die Lizenzpartner täten gut daran, sich nicht
kaufen zu lassen. Fake-News und Manipulationen werden bleiben. Somit
bleibt das Problem. Facebook ist verantwortlich für die Inhalte
seiner zwei Milliarden Nutzer auf der eigenen Plattform. Vereinzelt
gibt es Verfahren. Die Politik wirkt aber überwiegend hilflos und
unentschlossen. Facebook muss zwar eine Strafe von fünf Milliarden
US-Dollar zahlen, die selbst für diesen Giganten trotz eines Gewinns
von gut 2,6 Milliarden Dollar im zweiten Quartal dieses Jahres keine
Kleinigkeit sein dürfte. Aber bestraft wurde Facebook nicht etwa
wegen der Verbreiterhaftung, sondern wegen
Datenschutzpflichtverletzungen. Aber immerhin ist das vielleicht ein
Anfang. Das langfristige Ziel muss es sein, Facebook zu »reparieren«
oder ganz zu zerschlagen. Die Vormachtstellung dieser Plattform muss
beendet werden. Sonst wird die Welt weiter vergiftet und die
Demokratie droht, zerstört zu werden.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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