Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum CDU-Vorsitz

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NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat es im
Sinn, Thomas Strobl spricht–s direkt aus: »Bitte lasst uns alle daran
denken, dass nach dem 7. Dezember der 8. Dezember kommt.« Was der
baden-württembergische CDU-Chef damit sagen will, ist klar: So sehr
sich die CDU derzeit für die Entdeckung der innerparteilichen
Demokratie feiert, so sehr wird sie sich ab Freitagabend mit der
Frage beschäftigen müssen, was im Lager der Verlierer passiert, wenn
Annegret Kramp-Karrenbauer oder Friedrich Merz den Kampf um den
Parteivorsitz gewonnen hat.

Dass Jens Spahn als dritter prominenter Bewerber kaum mehr eine
Chance auf den Sieg hat, gilt als ausgemacht. Ihm aber wird eine
Schlappe am wenigsten anhaben können. Der 38-Jährige hat die Zeit,
die sich Kramp-Karrenbauer nicht nehmen will und die sich Merz kaum
mehr nehmen kann.

Die Saarländerin hat bereits erklärt, sie werde im Fall einer
Niederlage nur noch ehrenamtlich Politik machen. Merz dagegen will
sein Engagement auch dann fortsetzen, wenn er nicht Nachfolger von
Angela Merkel im Amt des CDU-Vorsitzenden wird. Das aber ist leichter
gesagt als getan. Aktuell besetzt der 63-Jährige überhaupt kein Amt
in erster politischer Reihe der CDU, von dem aus er weiter
»mitmachen« könnte.

Noch schwerer wirkt für die Partei aber die Tatsache, dass die
Enttäuschung über eine Niederlage nirgendwo größer sein dürfte als im
Merz-Lager. Das liegt sowohl an der monströsen Überhöhung des
Kandidaten durch seine Anhänger als auch an deren absurder
Heilserwartung, mit Merz komme die gute alte Zeit und – wichtiger
noch – die gute alte CDU zurück. Beides lässt es unwahrscheinlich
erscheinen, hier faire Verlierer finden zu können.

Das erklärt vielleicht auch die Neigung, die Kontrahentin so
penetrant wie wahrheitswidrig »Mini-Merkel« zu nennen. Eine
Respektlosigkeit, die der Titulierung »Mutti« für Angela Merkel an
Dummheit in nichts nachsteht. Mini ist an Kramp-Karrenbauer
allenfalls ihre Körpergröße. Auf ihr politisches Talent sollte man
davon aber lieber nicht schließen, dass ist ja im Fall der Kanzlerin
schon mal gründlich schiefgegangen.

Die CDU hat bis dato einen wahrlich beeindruckenden Wettstreit
dargeboten um das höchste Amt, das die Partei zu vergeben hat. Und
doch muss sie höllisch aufpassen, nicht rückwirkend von diesem
Dreikampf zerrissen zu werden. Wer immer diese Wahl gewinnt, wird
fürs Erste alle Hände voll zu tun haben, die Spaltung der CDU zu
verhindern.

Vielleicht kann die geschickte Wahl eines Generalsekretärs helfen,
das Lager der Verlierer einzubinden. Merz will dafür auf eine Frau
aus dem Osten setzen. Kramp-Karrenbauer dagegen könnte in OWL fündig
werden – beim Paderborner Bundestagsabgeordneten und Chef der
Mittelstandsvereinigung Carsten Linnemann.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Scholz Stephan
Telefon: 0521 585-261
st_scholz@westfalen-blatt.de

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