Westfalenpost: Der Brückenbauer / Kommentar von Stefan Hans Kläsener zur Nahostreise von Papst Franziskus

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Am Jerusalemer Tempelberg umarmen sich drei ältere
Männer: ein muslimischer Geistlicher, ein Rabbi und ein katholischer
Bischof. Eine ungewöhnliche Geste, weil schon der Anblick einer
jüdischen Kippa die Moslems bis aufs Blut reizen kann. Gänzlich
ungewöhnlich, sogar sensationell wird die Szene dadurch, dass der
katholische Bischof der Bischof von Rom ist: Papst Franziskus. Man
kommt aus dem Staunen nicht heraus, mit welch traumwandlerischer
Sicherheit dieser Papst seine Zeichen setzt. Er provoziert die
Palästinenser mit einer Kranzniederlegung am Grab Theodor Herzls. Er
provoziert die Israelis durch ein Treffen mit dem umstrittenen
Großmufti von Jerusalem. Und er lädt, beiläufig während einer Messe
in Bethlehem, den israelischen Staatspräsidenten und den
Palästinenserpräsidenten zum Gebet in „mein Haus in Rom“ ein. Beide
sagen zu, ihnen bliebe auch gar nichts anderes übrig Bislang hat
Franziskus keine dogmatischen Mauern eingerissen, keine
unumstößlichen Veränderungen im Vatikan erzwungen. Aber er hat
Zeichen von einer solchen Wirkungsmacht gesetzt, dass ein Rückfall
der katholischen Kirche in alte klerikale und kuriale
Selbstgefälligkeiten undenkbar ist. Was für ein Brückenbauer, welch
ein Pontifex.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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