Westfalenpost: Wir sind nicht erpressbar / Kommentar von Harald Ries zur Türkei

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Was will Erdogan? Muss man die Festnahme von zwei
Deutschen in Antalya wirklich als Geiselnahme interpretieren, wie es
Cem Özdemir tut? Glaubt der türkische Präsident ernsthaft, er könne
damit die Überstellung von Türken erreichen, die er der Teilnahme am
Putsch beschuldigt und die in der Bundesrepublik um Asyl nachgesucht
haben? Eine Art Gefangenenaustausch, der Deutschland vor aller Welt
als Staat erscheinen ließe, der erpressbar ist und unter Druck seine
Werte und sein Rechtssystem preisgibt? Welch ein Irrtum. Solche Deals
lassen sich möglicherweise mit Trump oder Putin machen. Deutschland
muss und wird anders reagieren: Stopp der Verhandlungen über eine
Ausweitung der Zollunion mit der EU und eine offizielle Reisewarnung
des Auswärtigen Amtes. Beides wird den unter abstrusen Vorwürfen
festgehaltenen Gefangenen zunächst nichts nützen. Aber es wird die
Türkei wirtschaftlich treffen und damit mittelfristig Erdogans
Anhängerschaft reduzieren. Es muss wohl alles erst noch schlechter
werden, bevor es wieder besser werden kann. Unterdessen sollte die
deutsche Seite alle Gesprächskanäle offen halten, die
Zivilgesellschaft unterstützen und alles tun, um Konflikte unter
türkischstämmigen Bürgern hierzulande einzudämmen.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

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