ZDF-Politbarometer Juni I 2019: Grüne legen stark zu – SPD und Union verlieren / Knapp die Hälfte rechnet mit vorzeitigem Aus für Große Koalition (FOTO)

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Im ersten Politbarometer nach der Europawahl erreichen die Grünen
in der Politbarometer-Projektion einen Rekordwert und liegen nur
knapp hinter der CDU/CSU. Wenn am nächsten Sonntag wirklich
Bundestagswahl wäre, würde sich die Union auf 27 Prozent (minus 3)
verschlechtern, die SPD fiele mit nur noch 13 Prozent (minus 3) auf
ihren bisher schlechtesten Wert und die Grünen kämen mit einem
starken Plus auf 26 Prozent (+6). Die AfD müsste einen Punkt abgeben
auf 13 Prozent, die FDP erzielte unverändert 7 Prozent und die Linke
ebenfalls 7 Prozent (minus 1). Die anderen Parteien zusammen lägen
bei 7 Prozent (plus 2). Damit hätte eine Koalition aus CDU/CSU und
Grünen weiterhin als einziges Zweier-Bündnis eine Mehrheit.

Top Ten: Habeck auf Platz eins

Neu zu den zehn wichtigsten Politikerinnen und Politikern zählt
nach Meinung der Befragten Jens Spahn, nicht mehr dabei ist Sahra
Wagenknecht. Bei der Beurteilung nach Sympathie und Leistung auf der
Skala von +5 bis -5 liegt jetzt Robert Habeck auf Platz eins mit
einem Durchschnittswert von 1,3 (Mai: 1,1). Weiterhin kann ihn ein
vergleichsweise großer Anteil der Befragten (48 Prozent) mangels
Bekanntheit nicht einstufen. Danach folgt ebenfalls mit 1,3 und
Unterschieden nur im Hundertstelbereich Angela Merkel (Mai: 1,4). Auf
Platz drei Heiko Maas mit 0,8 (Mai: 0,8), vor Olaf Scholz mit 0,7
(Mai: 0,8) und Christian Lindner mit 0,3 (Mai: 0,2). Markus Söder
kann sich verbessern auf 0,1 (Mai: minus 0,1), Jens Spahn steigt mit
einem Wert von 0,1 ein und Annegret Kramp-Karrenbauer verschlechtert
sich sehr stark und rutscht mit minus 0,1 (Mai: 0,7) in den
Negativbereich. Andrea Nahles kommt auf minus 0,3 (Mai: minus 0,4)
und Horst Seehofer auf minus 0,5 (Mai: minus 0,6).

Unklare Zukunft der SPD

Die Hälfte der Befragten (50 Prozent) glaubt, dass sich die SPD
nach den vielen schlechten Wahlergebnissen wieder erholen wird. Fast
genauso viele (46 Prozent) sehen das kritisch (Rest zu 100 Prozent
hier und im Folgenden jeweils „weiß nicht“). Einzig die SPD-Anhänger
sind deutlich optimistischer, gut drei Viertel (78 Prozent) erwarten,
dass es mit ihrer Partei wieder aufwärts geht. Der Rücktritt von
Andrea Nahles von ihren politischen Ämtern ist für 31 Prozent der
Befragten gut für die Zukunft der SPD, für 36 Prozent schlecht und
für 27 Prozent hat er keine großen Auswirkungen. Die Einschätzung der
SPD-Anhänger ist ganz ähnlich: 36 Prozent bewerten den Rückzug von
Nahles positiv und 39 Prozent negativ (keine Auswirkung: 23 Prozent).

Kramp-Karrenbauer mit Defiziten

Der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer trauen nach 41
Prozent im März jetzt nur noch 18 Prozent zu, ihre Partei erfolgreich
in die Zukunft zu führen. 73 Prozent (März I: 44 Prozent) sind
skeptisch. Auch in den eigenen Reihen bezweifeln knapp zwei Drittel
(64 Prozent) einen Erfolgskurs unter ihrer Führung, 27 Prozent
beurteilen das positiv. Ebenfalls zurückgegangen ist der Anteil der
Befragten, die Kramp-Karrenbauer als Bundeskanzlerin für geeignet
halten. Für 18 Prozent (März I: 34 Prozent) ist dies der Fall, eine
deutliche Mehrheit von 71 Prozent (März I: 51 Prozent) spricht ihr
diese Fähigkeit ab. Von den CDU/CSU-Anhängern meinen 28 Prozent, dass
sie Kanzlerin kann, 59 Prozent glauben das nicht.

Zweifel an Fortbestand der Großen Koalition gewachsen

War bisher immer eine klare Mehrheit der Meinung, dass die
Regierung aus Union und SPD bis zur nächsten Bundestagswahl 2021
halten wird, so sind die Befragten jetzt gespalten. 47 Prozent
erwarten, dass die Koalition fortbestehen wird und 46 Prozent rechnen
mit einem vorzeitigen Auseinanderbrechen. Dabei gehen die meisten
Anhänger der Regierungsparteien (CDU/CSU: 55 Prozent; SPD: 54
Prozent) davon aus, dass die Große Koalition bleiben wird, während
die Anhänger aller anderen Parteien dies mehrheitlich bezweifeln.
Unentschieden sind die Befragten auch in puncto Neuwahl. Käme es
jetzt im Bund zu einer Neuwahl, fänden das 38 Prozent gut, 36 Prozent
schlecht und 24 Prozent wäre es egal. Ein klares Votum für eine
Neuwahl geben nur die Anhänger der AfD (69 Prozent) und der Linken
(54 Prozent) ab.

Klimapolitik: Mehrheit will schnelleren Ausbau erneuerbarer
Energien

Das Thema Klimaschutz und Umwelt ist für die Befragten erstmals
das mit deutlichem Abstand wichtigste Problem in Deutschland. Die
meisten wünschen sich mehr Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien.
60 Prozent finden, dass es da zu langsam vorangeht, für 30 Prozent
ist es gerade richtig und nur 6 Prozent meinen, der Ausbau der
Erneuerbaren geht zu schnell. Beim geplanten Kohleausstieg bis 2038
ist die Einschätzung zurückhaltender. Hier sagen 40 Prozent, das gehe
zu langsam, 37 Prozent halten den Zeitrahmen für gerade richtig und
für 16 Prozent bedeutet das einen zu schnellen Ausstieg aus der
Kohleverstromung.

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer
Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der
Zeit vom 3. bis 5. Juni 2019 bei 1.297 zufällig ausgewählten
Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Dabei werden sowohl Festnetz-
als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist
repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der
Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/-
drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/-
zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU: 27
Prozent, SPD: 13 Prozent, AfD: 9 Prozent, FDP: 7 Prozent, Linke: 6
Prozent, Grüne: 33 Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF
am Freitag, 21. Juni 2019.

Weitere Informationen zur Methodik der Umfrage und zu den genauen
Frageformulierungen finden Sie auch auf www.forschungsgruppe.de.

Ansprechpartner: Presse-Desk, Telefon: 06131 – 70-12108,
pressedesk@zdf.de

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon:
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