zu Kohleaustieg/Tagebaue

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Nicht einfach nur abwickeln

Raimund Neuß zum Fahrplan für den Kohleausstieg Alle Achtung: Die
Energiekonzerne, unterstützt von Ministerpräsidenten und Gewerkschaften, haben
ihre Haut teuer verkauft. Deutlich über vier Milliarden Euro zahlt der Bund für
die Stilllegung der deutschen Kohlekraftwerke, 700 Millionen gibt es allein für
Arbeitnehmer im Westen als “Anpassungsgeld”. Dabei wäre jedenfalls im
Rheinischen Braunkohlerevier spätestens 2045 ohnehin Schluss gewesen: Auch ohne
Klimaschutzdiskussion wären die bestehenden Tagebaue dann ausgekohlt. Das
Abbauende wird um sieben bis zehn zehn, in Hambach um maximal 16 Jahre
vorgezogen. Für das Rheinland ist das trotzdem eine historische Weichenstellung.
Einfach, weil Kommunen und Konzerne jetzt endlich gezwungen sind, sich dem
Unvermeidbaren zu stellen: Aufschieben gilt nicht mehr. Anderthalb Jahrhunderte
lang hat die Braunkohlewirtschaft die Region wesentlich geprägt, sie wird es
nicht mehr tun. Also müssen neue Wege der Energieversorgung, neue
Unternehmenskonzepte, neue Arbeitsplätze her. Die Entscheidung des Bundes, ein
Kompetenzzentrum zur Wasserstofftechnik in Jülich anzusiedeln, gibt hier einen
wichtigen Anstoß. Mehr solche Initiativen wären nötig, und neben
Spitzenforschung geht es auch um Raumplanung und Infrastruktur. RWE betreibt für
seine Tagebaue und Kraftwerke zum Beispiel ein leistungsfähiges Güterbahnnetz,
das den Knoten Köln und seine Zulaufstrecken entlasten könnte – man müsste aber
in die Anbindung nvestieren. Von Jülich abgesehen gibt es leider bisher wenig
konkrete Zusagen für solche zukunftsweisenden Aufwendungen. Wichtiger scheinen
das Symbolthema Hambacher Forst und die Entschädigungszahlungen. Da muss man
schon fragen, ob Konzerne, Gewerkschaften und Landesregierungen nicht im Begriff
sind, die historische Chance zu verspielen, die vor ihnen liegt. Jedem
betroffenen Arbeitnehmer sein Geld gegönnt, aber wir sprechen im Rheinischen
Revier doch von Spezialisten, deren Fähigkeiten auch andernorts gebraucht
würden: Elektroniker, Verfahrenstechniker, Anlagenführer, Eisenbahner. Da sollte
doch nicht – wie weiland im Ruhrbergbau – die sozialverträgliche Abwicklung von
Jobs im Vordergrund stehen, sondern die Nutzung des intellektuellen,
wirtschaftlichen und technischen Potenzials, das im Revier aufgebaut worden ist.
Unserer Region wäre besser gedient, wenn der Bund die eine oder andere seiner
Milliarden hierfür ausgeben würde.

Pressekontakt:

Kölnische Rundschau
Raimund Neuß
Telefon: 0228-6688-546
print@kr-redaktion.de

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