55 Prozent der Männer in Deutschland wünschen sich mehr Verhütungsmöglichkeiten für Männer, in der Altersgruppe der 18 bis 24-Jährigen sind es sogar 72 Prozent. Dies ergab eine Umfrage unter 14.000 Männern im Alter von 18 bis 45 Jahren in sieben europäischen Ländern – der bislang größten Studie zur Nachfrage nach Verhütungsmitteln für Männer in Europa. Im Schnitt aller Länder gaben mehr als die Hälfte der Männer an, dass sie ein neuartiges Verhütungsmittel für Männer innerhalb eines Jahres nach dessen Zulassung anwenden würden. „Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig die Beschleunigung der Entwicklung von Verhütungsmethoden für den Mann für die öffentlichen Gesundheit in Deutschland und darüber hinaus ist, da weltweit nach wie vor ein ungedeckter Bedarf an Verhütungsmitteln besteht“, erklärt im Vorfeld des diesjährigen Weltverhütungstags (26. September) Sebastian Tripp, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich der Präsentation der vom Forschungsunternehmen DesireLine durchgeführten Studie.
Die europäischen Ergebnisse bestätigen ein globales Muster: Eine frühere Studie (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/andr.13726?msockid=19f1cd1aae3b6fe13baada1caa3b6d2b) desselben Teams in den Vereinigten Staaten, Bangladesch, Vietnam, Kenia, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo und der Elfenbeinküste zeigte, dass durchschnittlich 61 Prozent der Männer ein Verhütungsmittel für Männer innerhalb des ersten Jahres nach dessen Markteinführung ausprobieren möchten, wobei der Anteil in Nigeria und Bangladesch mit 76 Prozent am höchsten war.
Mit den neuen europäischen Daten umfasst die globale Evidenzbasis nun mehr als 32.000 Männer in 14 Märkten, wobei in fast jedem davon eine mehrheitliche Nachfrage besteht.
Bislang gibt es für Männer nur zwei verlässliche Verhütungsmethoden: das Kondom oder die irreversible Vasektomie. Die Befragten in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Schweden, der Türkei und dem Vereinigten Königreich wurden gebeten, sechs realistische Produktprofile zu bewerten, die neue Methoden widerspiegeln, die sich derzeit in der klinischen Entwicklung befinden. Auf die Frage, welches Produkt sie am ehesten nutzen würden, wählten etwa sechs von zehn Männern eine Pille.
Die Europaabgeordneten Peter Liese und Katarina Barley haben im vergangenen Jahr daran gearbeitet, regulatorische Hürden zu beseitigen, um die Entwicklung neuartiger Verhütungsmittel für Männer zu fördern und Investitionen in Forschung und Wissensaustausch zu stärken. Sie fordern die EU auf, ihre Mittel für Forschung und Innovation im Bereich der Verhütung aufzustocken und damit die Investitionen Deutschlands zu verstärken. „Kein Land kann dies allein bewältigen“, konstatiert Sebastian Tripp, weshalb es umso wichtiger sei, dass sich weitere öffentliche und private Geldgeber zusammenschließen, um die Verfügbarkeit dieser dringend benötigten und gefragten Technologien zu beschleunigen. „Wir stehen an einem Punkt, wo wir eine echte Chance auf eine gerechtere und gleichberechtigtere Verteilung der reproduktiven Verantwortung haben.“
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