Allg. Zeitung Mainz: Die Beichte / Kommentar von Friedrich Roeingh zum Fall Hoeneß

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Da ist sie, die unvermeidliche Beichte, auf die die
Öffentlichkeit so sehnlich gewartet hat. Uli Hoeneß, der größte aller
aktuell bekannten Sünder, hat sich dafür nicht den Beichtstuhl
Bild-Zeitung ausgesucht, sondern die „Zeit“ – eine moralische Instanz
unter den Medien. Und seine Aussichten auf Vergebung sind besser, als
er dies selbst so kurz nach der Empörungswelle der vergangenen Tage
wahrnehmen kann oder wahrnehmen mag. Bei der öffentlichen
Aufarbeitung von Fehltritten prominenter Vorbilder ist stets zwischen
der juristischen und der politisch-moralischen Ebene zu
unterscheiden. Die beiden fallen in der Causa Hoeneß mindestens so
deutlich auseinander wie im Fall Wulff – nur unter umgekehrten
Vorzeichen. Die Implusion der juristischen Anschuldigungen gegen den
ehemaligen Bundespräsidenten werden fälschlicherweise als Beleg dafür
angeführt, dass dieser nicht hätte zurücktreten müssen. Diese These
verkennt, dass Wulff vor allem wegen seines ungeschickten Umgangs mit
seiner Affäre zurückgetreten ist – und weil er schlicht der falsche
Mann im Amt war, wofür eher die Kanzlerin als er selbst
verantwortlich war. Hoeneß dagegen hätte nach den aktuell geltenden
Maßstäben von Compliance sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender des
Wirtschaftsunternehmens FC Bayern längst ruhen lassen müssen. Doch
selbst wenn er zu diesem Schritt noch gezwungen würde, hat die
erfolgreiche Katharsis des Sünders Uli Hoeneß längst eingesetzt.
Dafür gibt es mindestens drei Gründe: 1. Hoeneß hat offenbar nicht
Steuerhinterziehung um der Steuerhinterziehung willen begangen. Es
ging ihm wohl eher darum, im Schutz des Schweizer Bankgeheimnisses
seine Spielsucht zu kaschieren. 2. Im Verein und unter den Fans hat
sich eine Art Wagenburg um den Mann gebildet, ohne den der FC Bayern
nicht das wäre, was er heute ist. 3. Hoeneß hat in den Augen der
Öffentlichkeit einen Anspruch auf die zweite Chance, schon weil er
selbst immer wieder anderen Menschen diese zweite Chance gewährt hat.
Während der Sünder Uli Hoeneß also auf rasche Vergebung hoffen kann,
muss er im Gegensatz zu Wulff vor allem die juristischen Folgen
seines kapitalen Fehltritts fürchten. Die offenbar schludrige
Selbstanzeige und die (zu späten?) Nachbesserungen könnten Uli Hoeneß
zu einem Zeitpunkt ereilen, an dem die Öffentlichkeit dem reuigen
Sünder längst vergeben hat.

Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Sven Rindfleisch
Newsmanager
Telefon: 06131/485980
online@vrm.de

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