Allg. Zeitung Mainz: Last statt Lust / Kommentar von Reinhard Breidenbach zur SPD

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So kann–s kommen. Ein Trio führt die
Sozialdemokraten kommissarisch. Es gab in der SPD-Geschichte zweimal
eine „Troika“, beide Male mehr Last als Lust. In den Sechziger- und
Siebzigerjahren: Herbert Wehner, Willy Brandt, Helmut Schmidt. Ab
1993:Rudolf Scharping als Kanzlerkandidat, Oskar Lafontaine und
Gerhard Schröder. Aber auch unabhängig von dieser negativen
historischen Erfahrung: Die aktuelle Trio-Lösung ist wahrhaftig nicht
der Weisheit letzter Schluss. Vermutlich soll sie Solidarität,
Gediegenheit, ein breites Verantwortungsfundament signalisieren. In
Wahrheit ist sie eher Verlegenheit und die Angst, eine oder einen
allein ins Feuer der kommenden Monate zu schicken. Und: Alle drei
sind nun, da sie eine finale Bewerbung um den Parteivorsitz
ausschließen, böse formuliert: lame ducks. Dass Schwesig, Stand
jetzt, absagt, ist eine Sensation – und schade. Man hätte geschworen,
sie will das Amt, unbedingt. Und den Versuch wär–s wert gewesen.
Stephan Weil winkt ab, ebenso Olaf Scholz, Letzterer bei „Anne Will“
auf unsouveräne, fast schräge Weise. Es wäre schlimm, sollte das
Vorsitzendenamt einer zwar aktuell erfolglosen, aber insgesamt
wichtigen und honorigen Partei angeboten werden müssen wie sauer
Bier. Heiko Maas bringt eine Doppelspitze ins Spiel. Skurril, bei
grünem Gedankengut zu klauen, aber in der Not… A propos Maas. Wieso
ist sein Name fast nie zu hören, wenn es um künftige
Spitzenkandidaten geht? Er ist nicht der Lebhaftesten Einer, hat
einst aber immerhin bei Oskar Lafontaine gelernt, im Saarland. Bei
alledem muss klar bleiben: Das Land ist wichtiger als jede Partei.
Somit stellt sich die Regierungs-, also die GroKo-Frage. Die
Protagonisten ergingen sich lange in Ego-Shows. Zuerst die Union mit
Seehofer/Maaßen und der Merkel-Nachfolge, jetzt die SPD. In der
übrigen Zeit wurde recht anständig gearbeitet. Das spricht dagegen,
die GroKo abrupt zu beenden. Allerdings: Dass die SPD nicht an der
GroKo sterben will, ist verständlich. Verzweifelt forderten
Genossinnen und Genossen in den vergangenen Tagen: „Wir müssen uns
inhaltlich klar aufstellen!“ Ja! Fast niemand weiß, wofür die SPD
inhaltlich steht. Aufstellen: aber wie? Nach links, mit
bedingungsloser Grundrente, Vermögensteuer, höherer Erbschaftsteuer
und Klimaschutz egal, was er – etwa an Arbeitsplätzen – kostet?
Schwer, da sind überall schon Grüne oder Linkspartei.
Gravierender:Wichtige Details in diesem Katalog sind überhaupt nicht
super für das Land. Über inhaltliche Zerrissenheit helfen oft
Charismatiker hinweg. Aus Schulz hätte einer werden können. Aber das
hat sich die Partei weitgehend selbst vermasselt; so was sollte sie
künftig vermeiden.

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