Ärztestatistik 2014: Etwas mehr und doch zu wenig

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Berlin, 14.04.2015 – „Etwas mehr und doch zu
wenig“, so fasste Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der
Bundesärztekammer (BÄK), die Ergebnisse der Ärztestatistik für das
Jahr 2014 zusammen. Wie aus den Daten der BÄK hervorgeht, erhöhte
sich die Zahl der bei den Landesärztekammern gemeldeten ärztlich
tätigen Mediziner im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent auf 365.247.
„Dieses leichte Plus reicht bei Weitem nicht aus, um die Lücken in
der medizinischen Versorgung zu schließen, die sich aus einer Reihe
von gesellschaftlichen Entwicklungen ergeben“, sagte Montgomery. So
verschieben sich die Prioritäten der Jungmediziner. „Wir haben es mit
einer nachwachsenden Ärztegeneration zu tun, die berechtigte
Anforderungen an ihren Arbeitsplatz stellt“, erklärte Montgomery.
„Wie zahlreiche Umfragen zeigen, legen diese jungen Ärzte großen Wert
auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf, Familie und Freizeit,
auf feste Arbeitszeiten und flexible Arbeitszeitmodelle.“ Die Folge:
Immer mehr von ihnen entscheiden sich für eine Anstellung und gegen
die Niederlassung. Zählte die Ärztestatistik im Jahr 1993 lediglich
5.397 im ambulanten Bereich angestellte Ärzte, so wuchs ihre Zahl an
der Gesamtärzteschaft bis zum Jahr 2014 auf 26.307. Auch die Anzahl
der Ärztinnen steigt. Im Jahr 1991 lag der Frauenanteil noch bei 33,6
Prozent. Seitdem hat er sich um 35,6 Prozent erhöht und beträgt jetzt
45,5 Prozent (2013: 45,0 Prozent). Hinzu kommt, dass sich die Zahl
der Ärztinnen und Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit im Jahr 2014 wie
schon in den Jahren zuvor weiter erhöht hat. Die Steigerungsrate
betrug 2,4 Prozent. Dies entspricht 2.757 Ärztinnen und Ärzten.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Blick auf die Daten
des Statistischen Bundesamtes. Demnach stieg die Zahl der Ärzte in
Teilzeit zwischen dem Jahr 2001 und dem Jahr 2011 von 31.000 auf
54.000 Ärzte. Umfragen zufolge planen 23 Prozent der niedergelassenen
Ärzte, bis zum Jahr 2020 ihre Praxis aufzugeben. Hinzu kommt ein
personeller Mehrbedarf, der aus neuen Behandlungsmöglichkeiten, vor
allem aber aus dem demografischen Wandel resultiert. Während heute
fünf Prozent der Bevölkerung älter als 79 Jahre sind, wird ihre Zahl
bis zum Jahr 2060 auf etwa 13 Prozent steigen. Viele
Industriegesellschaften kennen dieses Phänomen: Je älter die
Bevölkerung ist, desto höher ist die Behandlungsintensität und damit
die Nachfrage nach Ärzten. Von allen EU-Staaten hat Deutschland die
älteste und weltweit nach Japan die zweitälteste Bevölkerung. Allein
in unseren Krankenhäusern fehlen bis zum Jahr 2030 etwa 111.000
Ärztinnen und Ärzte, prognostiziert die Unternehmensberatung Roland
Berger. Die Gesellschaft altert, und mit ihr auch die Ärzteschaft.
Der Anteil der unter 35-jährigen Ärzte im Jahr 2014 lag bei 18,3
Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 1993 waren noch 26,6 Prozent der
Ärzte jünger als 35 Jahre. Weiterhin schrumpfte der Anteil der 40-
bis 49-jährigen von 26,6 Prozent auf 25,2 Prozent, während der Anteil
der 50- bis 59-jährigen von 28,3 Prozent auf 28,5 Prozent anstieg.
Und schließlich sind da noch die in der Ärztestatistik ausgewiesenen
2.364 Ärztinnen und Ärzte, die Deutschland im vergangenen Jahr den
Rücken kehrten. Die beliebtesten Auswanderungsländer sind wie in den
Vorjahren die Schweiz (754), Österreich (285) und die USA (131). Für
etwas Entlastung sorgt die Zuwanderung. Die Zahl der in Deutschland
gemeldeten ausländischen Ärztinnen und Ärzte ist im Jahr 2014 um
3.768 auf 39.661 gestiegen, was einem Plus von 10,5 Prozent
entspricht. Die Zunahme der berufstätigen ausländischen Ärztinnen und
Ärzte lag im Jahr 2014 bei 11,1 Prozent (2013: 10,3 Prozent). Die
stärksten Zuwächse verzeichnen mit 2.361 die Ärztinnen und Ärzte aus
den europäischen Staaten – insbesondere aus der Europäischen Union
mit 1.692. Insgesamt kommen 72,3 Prozent aller ausländischen Ärzte
aus Europa, 18,4 Prozent aus Asien, 5,7 Prozent aus Afrika und 2,9
Prozent aus Amerika. Die größten Gruppen bilden die Rumänen (3.857),
Griechen (3.011) und Österreicher (2.695), gefolgt von den Polen
(1.936). „Gerade in ländlichen Regionen leisten die Ärztinnen und
Ärzte aus dem Ausland einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung
der medizinischen Versorgung. In vielen Kliniken käme es ohne sie zu
erheblichen personellen Engpässen“, unterstrich der BÄK-Präsident.
Doch auch der leicht positive Migrationssaldo reicht nicht aus, um
die personellen Lücken zu schließen. „Abwehren lässt sich der
Ärztemangel nur, wenn es gelingt, mehr Ärztinnen und Ärzte
auszubilden. Derzeit gibt es an unseren Universitäten knapp 10.000
Medizinstudienplätze. Mindestens zehn Prozent mehr wären notwendig“,
forderte Montgomery. „Leider scheinen aber weder Bund noch Länder
bereit zu sein, sich hier finanziell zu engagieren.“ Besonders
dringend gesucht werden Hausärzte – laut KBV-Statistik wird sich ihre
Zahl bis 2020 um etwa 7.000 verringern. Ein Hoffnungsschimmer ist,
dass die Zahl der Zulassungen in den Fächern Allgemeinmedizin sowie
Innere und Allgemeinmedizin (Hausarzt) gegenüber dem Vorjahr von
1.112 auf 1.218 anstieg. Insgesamt wurden 11.726 Anerkennungen von
Facharztbezeichnungen im Jahr 2014 ausgesprochen. Damit lag ihre Zahl
über den 11.149 Anerkennungen des Jahres 2012.

Die Ärztestatistik 2014 können Sie unter dem folgenden Link
abrufen: www.baek.de/Statistik14

Pressekontakt:
Bundesärztekammer
Stabsbereich Politik und Kommunikation
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin

Tel. 030-400456700
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