Badische Neueste Nachrichten: Spiel mit dem Feuer

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Wenn etwas überrascht, dann sind es allenfalls
die rhetorischen Nuancen. Kim Jong Un, der junge Familienerbe an der
nordkoreanischen Staatsspitze, scheint seinen Generälen beweisen zu
wollen, dass er kein Leichtgewicht ist. Dass er verbal mit dem Säbel
rasselt, damit hatte man gerechnet im Weißen Haus. Wenn amerikanische
und südkoreanische Soldaten im Frühjahr gemeinsame Manöver abhalten,
gehören polternde Worte aus Pjöngjang seit jeher zum Ritual. Nur dass
der Ton diesmal noch ein wenig bellizistischer ausfällt, als man es
von früheren Gratwanderungen auf der geteilten Halbinsel kennt.
Spielen die Nordkoreaner ihr übliches Spiel? Oder verleitet nukleare
Potenz einen irrationalen Politiker zu einer noch gefährlicheren Art
von Vabanque? Im Moment sehen Barack Obamas Asienexperten kaum einen
Grund, die Alarmglocken lauter als sonst läuten zu lassen. Nur weiß
es eben niemand genau, dazu gibt das hermetisch abgeriegelte Land
einfach zu viele Rätsel auf. Noch vermag keiner in Washington zu
sagen, wie berechenbar oder unberechenbar Kim Jong Un ist, dazu ist
der Mann zu sehr ein unbeschriebenes Blatt. Noch kann niemand
verlässlich einschätzen, wie seine Riege auf die eher routinemäßige
Demonstration amerikanischer Stärke – in diesem Fall das Entsenden
von Tarnkappenbombern – reagiert. Das eigentlich Gefährliche ist,
dass es an Kommunikationskanälen mangelt. Dabei sollten Amerikaner
und Nordkoreaner endlich den direkten Dialog suchen, so wie es der
Präsidentschaftskandidat Obama vor Jahren versprach, als er die große
politische Bühne betrat. Alles andere befördert nur die Paranoia
isolierter, weltfremder Machthaber in einem abgeschotteten Winkel der
Erde. Allein mit Druck kann man Kim nicht dazu bringen, seine
nuklearen Ambitionen aufzugeben. Soll der Konflikt nicht außer
Kontrolle geraten, muss die Diplomatie ihre Wirkung entfalten, muss
das sachliche Gespräch Risiken eindämmen helfen. Mit anderen Worten,
es liegt an Obama, den Part des Erwachsenen im Kinderzimmer zu
übernehmen. Die Frage ist nur: Kann der US-Präsident angesichts der
desolaten Lage in Nordkorea viel ausrichten? Die rund 24 Millionen
Nordkoreaner leiden Mangel und vielfach Hunger, ihre Wirtschaft liegt
am Boden, die soziale Versorgung erbärmlich. Die verzweifelte Lage
ist allein schon eine Bedrohung. China hat seinem Verbündeten
Nordkorea vor der UNO bereits die kalte Schulter gezeigt. Kim Jong
Un, der an eine koreanische Herrenrasse glaubt, vertraut jedoch
darauf, dass Peking letztlich an seiner Seite steht. Das mag für die
Phase des Säbelrasselns gelten, kaum aber für einen realen Waffengang
auf der Halbinsel. In den Konflikt ist offenbar auch Teheran als
Waffenlieferant verwickelt. Jenseits aller Mutmaßungen und klugen
politischen Auslegungen bleibt also nur die Hoffnung, dass der junge
Diktator nicht zu Panikreaktionen neigt und sich am Ende auf das
diplomatische Parkett begibt.

Pressekontakt:
Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
Telefon: +49 (0721) 789-0
redaktion.leitung@bnn.de

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